Angst und Wut…

Es ist spät und ich sollte längst schlafen. Aber da ist sie… Die Angst vor dem erneuten Absturz und Träumen aus der Vergangenheit. Manche von euch werden es vielleicht bei Twitter mitbekommen haben aber ich habe wieder ein wundervolles Wochenende bei meinem Bären verbracht. Wundervoll bis auf eine „Kleinigkeit“.

Wir waren mitten in einer Session und meine innere Göre war in Kampfeslust und so kam es, dass mich eine unerwartete Strafe treffen sollte. Eigentlich eine harmlose Sache, wenn, ja wenn ich nicht getriggert worden wäre. Mein darausfolgendes „Auaauaaua“ war nicht Ausdruck von echtem körperlichen Schmerz. Nein, diese kleine Aktion hatte mich direkt in meine Vergangenheit katapultiert. Er dachte erst, er hätte mich körperlich verletzt, was nicht der Fall war und konnte es im ersten Moment nicht einordnen. Er nahm mich zitterndes Bündel Elend in den Arm, hielt mich und wartete ab, bis meine Dämme endlich brachen und ich weinte und wohl irgendwann auch erzählte. Das alles, weiß ich nur, weil er es mir später noch einmal erzählte, ich war in meinem Albtraum der Vergangenheit gefangen, die ich damals als gar nicht so schlimm betrachtete. Diese Momente sind verwaschen und die Vergangenheit hatte mich im Griff.

Ich möchte niemanden über seine Art des BDSMs belehren aber sprecht miteinander und informiert euch, dann bleibt euch meine Geschichte vielleicht erspart. Die Geschichte einer jungen Frau, die vermeintlich BDSM für sich entdeckt und immer tiefer in die Dunkelheit abdriftet, die glaubt, würgen bis zum Blackout ohne Absprache, ständig Verfügbarsein zu müssen und mit ungewöhnlichen Blutungen zum Frauenarzt zu gehen, wären eben normal und gehörten dazu. Das würde schon mal passieren und vorkommen. Einer Frau, die sich einen Krankenschein holt, weil jede einzelne Zelle ihres Körpers schmerzt und die Beleidigungen herunterschluckt und sich annimmt, weil sie gefallen will und weil es eben so sein muss. Schließlich unterwirft sie sich. Da gibt es doch keine Grenzen!

 

FUCK NEIN!

Ich war so dumm und naiv und habe alles mit mir machen lassen und mir dabei auch noch eingeredet, dass ich es so will und es mir ja auch irgendwie Spaß macht, einfach, weil ich gefallen wollte und verdammt Angst vor dem Alleinesein hatte. Und selbst als ich erkannte, dass es eben nicht normal ist, dass es zu weit geht und mit BDSM nichts mehr zu tun hat, habe ich nichts gesagt, mich nicht getrennt, weil ich allein gewesen wäre und wie hätte ich nutzloses Stück es denn allein schaffen sollen? Seine Worte in die Seele gebrannt. Es hat Jahre gebraucht und einige Beziehungen und Scheitern dieser bis ich erkannte, dass ich schon ganz okay bin und auch alleine klar komme. Ich wurde verlassen und brauchte lange, um wieder zu leben.

Und trotzdem sitzt dieser Stachel noch tief, obwohl es Jahre her ist.

Ich bin wütend auf mich, dass ich es zugelassen habe. All das mit mir machen lassen habe und dabei schwieg. Mir einredete, dass es mir gefällt, nur um zu gefallen. Macht das nicht. Tut euch das nicht an. Bitte.

BDSM ist so vielseitig und jeder von uns muss seinen Weg finden, der sich mit der Zeit auch immer wieder ändern kann aber wenn ihr euch bei etwas nicht wohlfühlt, tut etwas dagegen. Sprecht! Trennt euch! Sucht euch Hilfe! Oder ihr endet wie ich.

Eine Frau, Mitte 20, die panische Angst vor dem Einschlafen hat. 2 Tage nach meinem Absturz… Die erste Nacht ging erstaunlich gut vorbei, festgehalten von 2 starken Armen. Keinen Fragen und viel Liebe. Und auch am nächsten Tag überwand ich diesen Trigger. Ganz bewusst, setzte ich mich ihm aus, natürlich nach Absprache, und ich konnte es. Mir gefiel es sogar sehr. Doch die Nacht, die folgte. Ich wälzte mich von einer Seite auf die andere, fand keinen Schlaf und wenn doch für ein paar Minuten steckte ich wieder in Situationen, die ich heute niemals wieder zulassen würde. Immer wieder zog er mich im Schlaf in seine Umarmung aber es nützte nicht. Er konnte die Träume und die Angst nicht vertreiben.

Und heute? Heute sitze ich auf meinem Bett, schreibe diesen Post und müsste längst schlafen. Die Müdigkeit hat mich im Griff und trotzdem schließe ich nicht die Augen. Die Angst hat mich im Griff. Keiner da, der mich durch eine Berührung ins hier und jetzt zurückholen kann. Die Angst im Traum gefangen zu sein und wieder nur zu funktionieren.

BDSM hat nichts mit Gewalt zu tun und mein Partner zeigt mir das in jeder unserer Sessions sehr deutlich und dennoch, ich bin ein gebranntes Kind. Es gibt so viele Situationen, die diese Ohnmacht erneut auslösen könnten. Aber da ist auch die Gewissheit, dass ich nicht ins Bodenlose stürze. Das mich jemand kurz davor auffängt. Der die winzig kleinen Splitter meiner Seele geduldig Stück für Stück, Schlag für Schlag, wieder kittet und dafür bin ich dankbar, unendlich dankbar. Es wird ein langer Weg und ob ich jemals alles wieder genießen können werde, steht in den Sternen aber ich fühle mich sicher. Meine Grenzen werden gewahrt und das ist viel wert. Die Liebe, die er mir entgegenbringt, heilt mich, und auch wenn ich jetzt ein Klischee bedienen, so sind unsere Sessions doch jedes Mal auch eine kleine Therapie. Jaja, Psychiater hätten ihre wahre Freude an mir.

Und trotzdem bleibt diese Wut. Auf mich. Auf den Verursacher und die Ereignisse. Ich kann nur an euch appellieren. Seid nicht so wie ich es war. Seid es euch wert und lasst euch nicht so zerstören. Denn glaubt mir, kaputt ist man schnell. Das Flicken dagegen dauert ewig.

Nicht jeder Dom passt zu jeder Sub. Nicht jeder Dom ist einer. Nicht jeder Sub ist submissiv. Aber so kitschig es klingt, jeder Topf findet seinen passenden Deckel. Es wäre nur schön, wenn ihr nicht wie ich, als Deckel mit einem riesigen Riss enden würdet.

Ich bin müde… und habe Angst. Angst vor meinem Dämon. Angst vor der Vergangenheit.

Seid nicht wie ich es war. Seid stark!

 

So nicht.

Wer heute Kink erwartet, der darf gleich wegklicken. Heute und hier wird es an Beziehungen gehen und wie sie unser Umfeld beeinflussen. Es folgt: ein kleiner Seelenstriptease.

Jeder oder zumindest viele träumen davon: die perfekte Kindheit. Mama und Papa, die sich lieben und das einem vermitteln können, was eine gesunde Beziehung ausmacht. Die wenigsten haben es wohl wirklich erlebt. Mein Erzeuger führte zum Beispiel jahrelang ein Doppelleben mit 2 Familien. Mein Halbbruder ist 3 Jahre älter als ich, als ich dann plötzlich entstanden war, war es nicht er, der sagte, jep, ich bin ein Arsch und habe Scheiße gebaut. Nein, er hat behauptet, meine Mutter wäre ihm fremdgegangen und ich nicht von ihm. Ein kleines Dorf auf dem Land, ihr könnt euch das Ergebnis vorstellen. Papa gab es für mich nicht.

Und dann war da plötzlich jemand da, der wollte, dass ich ihn so nenne. Ich war glaube ich 5 und meine Mutter strahlte plötzlich wieder. Ich als Kind konnte natürlich nicht hinter die Fassade schauen. Sah nur das Gute. Ich weiß, da waren mal große Gefühle aber was soll ich sagen, seit 10 Jahren + ist es nur noch blose Coexistenz. Er hält sich an seinem Bier fest, während sie arbeitet. Getrennte Betten seid ich mich erinnern kann. Und das soll Liebe sein? Eine Beziehung, was doch so erstrebenswert ist? Ich kenne die Faktoren, warum sie sich nicht trennt und zumindest zu einem kleinen Teil kann ich es nachvollziehen. Die Angst wieder im Dorf zerrissen zu werden, vor dem Alleinsein und der Ächtung. Es ist bequem nebeneinander herzuleben und so lange er sein Bier hat, ist er pflegeleicht.

Bei meiner Schwester ist es ähnlich. Eine Ehe nach der anderen, die sie nicht glücklich machen aber es muss doch irgendwo Mr. Wright geben. Und mein Bruder hat mittlerweile eine Fußballmannschaft inklusive Ersatzspieler an Kindern mit x verschiedenen Frauen. Fragt mich nicht nach den Namen, weder von den Kindern, noch den Frauen. Die ersten Kinder haben auch schon wieder Nachwuchs und ich habe längst den Überblick verloren. Insgesamt hätte RTL wohl einen wahren Inspirationsquell in meiner Familie.

Und ich? Ja, ich habe auch schon in die Scheiße gegriffen. Tief. Schmerzhaft tief. Und troztdem hofft das kleien Mädchen in mir, dass ich mit dem Bären meinen Deckel gefunden habe. Ich hoffe auf mein Happy End, wo ich strickend mit ihm auf der Gartenbank sitze, unsere Enkel um uns herumtoben und er Pokemon Go spielt. Und ich möchte an diesen Gedanken festhalten, mich von meiner Familienhistorie nicht beeinflussen lassen und trotzdem habe ich manchmal Angst, dass meinem Genpool dieses Glück einfach nicht vergönnt sein soll. Warum sollte ich es auch als einzige hinbekommen, wirklich glücklich zu werden? Was unterscheidet mich schon von den anderen?

Diese Gedanken wegzuschieben ist nicht leicht aber ich tue alles dafür, dass mein Happy End wahr wird. Was ich aber gelernt habe, bei all dem Drama? Dass Beziehungen verdammt kompliziert sind, dass ein Happy End wie ein Lottogewinn ist und es Arbeit ist. Diese Wegwerfmentalität ist nicht meins und ich arbeite an einer gemeinsamen Zukunft, so hart ich kann. Ich versuche daran zu glauben, dass nicht jede Beziehung ein Ablaufdatum hat und es fühlt sich auch nicht so an. Dieses Mal nicht. Aber der Zweifel bleibt.

Jede Beziehung beeinflusst unser Umfeld. Manchmal mehr als wir glauben. Wenn ich bedenke, wie die meisten liefen, die ich mitbekam, möchte ich am liebsten schreiend weglaufen und mich vor der Menschheit verstecken aber das ist keine Option. Ich kämpfe, ich liebe und ich werde mein fucking Happy End mit dem Bären bekommen. Irgendjemand muss ja in dieser Familie den Lottogewinn machen. Und dieser jemand werde ich sein. So. Aus. Basta. Scheiß auf Gene und Erfahrungen. Ich brauche keinen Prinzen, mir reicht es völlig, wenn ich die Gartenbank bekomme.

Urlaub vom Funktionieren

Ein ganz normaler Mittwoch. Ich habe die Frühschicht doch etwas ist anders. Statt mit meiner kleinen Tasche stelle ich in unserem Lager meinen Koffer und eine große Tasche ab. Der Tag beginnt und wird wie erwartet, statt entspannt und schön, purer Kampf und Krieg. Wenn es Schnitzel im Mittagsangebot gibt, kennt die Landbevölkerung eben keinen Spaß und so kommt es, dass wir den zweiten Helfer 2h früher bestellen müssen und es auch kaum zu dritt schaffen, alle satt zu bekommen. Von glücklich machen, kann keine Rede sein. Es ist wie im Krieg und so wird natürlich unser Essen, dass seit 14 Uhr auf dem Tisch steht kalt. Keine kurze Ruhepause, wie es oft so ist zwischen Mittags- und Eisgeschäft. Rennen, rennen, rennen und dabei immer schön freundlich lächeln. Aber heute macht es mir nichts aus. Schließlich steht im Lager mein Koffer. 16 Uhr kommt meine Ablöse und natürlich wird es bei ihr ruhiger. Wie es immer ist. Die Küche zwingt mich, noch etwas zu essen, weil ich ja die ganze Nacht unterwegs sein werde. Hunger habe ich keinen aber was muss, das muss und so wickle ich noch ein bisschen Besteck und kann mich schließlich 18 Uhr, ohne eine nennenswerte Pause gehabt zu haben, umziehen. Ich schnappe mir meinen Koffer und ab zum Bahnhof. Eigentlich bin ich erschöpft aber die Vorfreude hält mich wach. In 12 Stunden holt mich der Mann, den ich liebe vom Bahnhof ab.

Erstaunlicherweise habe ich eine angenehme Fahrt und das obwohl der Nachtbus nach Mailand bis zum letzten Platz belegt ist. Am Bahnhof falle ich dem Bären um den Hals. Es geht nach Hause und nach einigem Geknutsche verschwinde ich schließlich unter die Dusche. 20 Stunden Arbeit und Fahrt steigern einfach dieses Bedürfnis ins Unendliche. Wir verbringen einen ruhigen Tag, schlafen noch ein paar Stunden und dann… dann kommen seine Eltern vorbei. Wir sind seit einem halben Jahr zusammen und doch ist es noch nicht offiziell und ich habe Angst. Eine Scheißangst. Die Frau, die im Job vor Selbstbewusstsein strotz, zittert beim Gedanken an Eltern. Aber ich wollte es so. Wollte kein Geheimnis mehr sein. Also Augen zu und durch. Und es war gar nicht so schlimm. Eigentlich sogar fast gut. Sie sind nett und er meint, sie mögen mich aber ein Stimmchen in mir möchte das nicht verstehen. Eltern, die mich mögen? Unmöglich.

Tags darauf bekommen wir tierischen Besuch und nicht nur den. Auch Knoppso und ein anderer Freund von ihm wollen sich an meine Pen & Paper Entjungferung machen. Ich lerne, dass ein Würfel auch mehr als 6 Seiten haben kann und dass mein Talent für diese Art von Spiel sehr begrenzt ist, es aber auch jede Menge Spaß macht. Und Luna, der Besuchshund, hat wohl einen Narren an mir gefressen und so spielen wir die ganze Zeit, bis sie schließlich nach mehreren Stunden auf der Couch schläft. Ich, von oben bis unten abgeschleckt, verschwinde wieder mal unter die Dusche, um dann eine weitere Nacht in den Armen meines Mannes zu verbringen. Doch an Schlaf ist zunächst nicht zu denken. Es steht am nächsten Tag eine Familienfeier an und da sind sie wieder, die Selbstzweifel. Dass ich für diesen Mann gar nicht gut genug sein kann. Dass ich nicht hierherpasse mit meiner RTL-Familie, meinem „niederen“ Job und all dem. Es war nicht angenehm aber es hätte schlimmer sein können. Ich wurde weniger ausgefragt, als gedacht und das Gesicht seines Bruders, als er sieht, wer da neben ihm sitzt, bringt mich auch jetzt noch zum Lachen. Ich war eben eine echte Überraschung.

Danach, vollgefressen mit Kuchen, geht es zu einem kleinen See. Die Füße ins Wasser halten und endlich mal den Sommer spüren. Leben, nicht nur funktionieren. Atmen können. All das vermittelt mir dieser Ort. Ich hätte es nie für möglich gehalten aber ich fühle mich tatsächlich in dieser Ecke Deutschlands wohl. Mehr als das.

Am Sonntag kommt etwas BDSM ins Spiel in Form von 60 Schlägen mit dem Bambusstock und doch ist es nicht genug. Es ist nie genug. Aber ich fliege wieder und genieße jede Sekunde davon. Für den nächsten Tag wird mir die doppelte Menge angekündigt und ich kann es kaum erwarten. Des Nachts, unsere letzte, kommt der Satisfyer zum Einsatz und ich weiß gar nicht wie er das macht aber scheinbar kann er das Ding besser bedienen als ich. So gut, dass ich fast bettle.

Der nächste Morgen beginnt und so liege ich wieder auf dem Bauch und erfreue mich an Schlägen. Wisst ihr eigentlich wie schwer es ist von 120 rückwärts zu zählen? Ich glaube, wir haben einen neue Stufe erreicht. Er ist unnachgiebiger, lässt meiner Göre keinen Spielraum und ist insgesamt härter und ich liebe es. Jede einzelne Sekunde davon, jedes einzelne Wort. Ich bin gern sein Fickstück und im nächsten Moment kuschle ich mich an ihn und mache Pläne für die Zukunft.

Hätte mir jemand vor einem halben Jahr gesagt, dass ich nächstes Jahr nach Bayern ziehen möchte und noch eine Ausbildung beginnen will, hätte ich mich wohl auf dem Boden gerollt vor lachen aber dieser Mann… scheint einfach alles möglich zu machen. Alle Mauern niederzureißen und dabei mein Fels in der Brandung zu sein. Ich frage mich, wie ich das verdient habe und will die Antwort vermutlich gar nicht wissen. In seiner Gegenwart lebe ich, bin kein Roboter mehr und funktioniere. Ich lache, weine und das wichtigste, diese Emotionen sind echt. In 6 Wochen sehen wir uns das nächste Mal wieder und ich kann es kaum erwarten aber für jetzt und heute heißt es wohl Schürze und Portemonaie packen und auf zur Arbeit. Funktionieren und ab und zu grinsen, wenn ich mich irgendwo stoße und die Erinnerungen zurückkommen.

Schmerz als Strafe – ein Oxymoron?

Vielleicht habt ihr mich schon vermisst, vielleicht auch nicht aber es müssen erst Erfahrungen gemacht werden, bevor man darüber schreiben kann und die habe ich gemacht.

In meiner bisherigen Vergangenheit war es die Regel, dass Schmerz als Strafe eingesetzt wurde, was wenn ich heute so darüber nachdenke, eigentlich ein Konzept ist, dass zu allem aber nicht zu Unterwürfigkeit führt – jedenfalls bei meiner Person. Mir wurde damit mehr oder weniger bewusst meine innere Göre anerzogen, die frech ist und widerspricht, weil ich eben bestraft werden wollte. Oft mehrmals in einer Session, weil Schmerz eben für mich keine Strafe ist, sondern eher etwas, auf das ich hinarbeite. Er lässt mich fliegen, macht den Kopf frei und ist genau das, was ich in solchen Momenten brauche. Und wenn ich den nicht bekomme, dann rebelliere ich. Ich kann mir vorstellen, dass ich nicht unbedingt unanstrengend bin für einen Dom, der absoluten Gehorsam fordert aber ich muss auch sagen, dass diese Provokationen oft nicht mal bewusst geschehen. Die Göre in mir schreit nach süßem Schmerz und tut dann alles dafür.

Wie ist aber der Stand heute? Mein Herr hat dieses wohl weit verbreitete Konzept auf den Kopf gestellt und so werde ich mit Lust bestraft, ja das geht, und bekomme Schmerz, wenn ich brav bin. Lust als Strafe kann so unglaublich effektiv sein. Glaubt mir, spätestes, wenn alles überreizt ist und ihr einfach nicht mehr kommen könnt und es trotzdem immer wieder tut, spätestens dann wird man handzahm. Kein Gedanke an Rebellion, die Göre verkriecht sich und plötzlich bettelt man. Ja, richtig gehört, ich die nie bettelt, bettelt bei dieser Art der Bestrafung. Das ist mir bei schmerzhaften „Strafen“ noch nie in dem Ausmaß passiert. Im Gegensatz dazu bekomme ich den Schmerz, den ich mir so oft so wünsche, immer dann, wenn ich artig bin. Und das ist gar nicht so schwer, vermutlich auch, weil wir im Spiel noch ganz am Anfang stehen und unsere Grenzen gegenseitig testen. Und trotzdem bricht die Göre ab und zu aus mir heraus, will mit allen Mitteln provozieren, weil dieser Switch zwischen Schmerz als Strafe und als Belohnung einfach noch nicht verinnerlicht wurde.

Ich wurde dazu erzogen zu rebellieren, wenn ich die Peitsche spüren will und glaubt mir, das kann ganz schön anstrengend sein, wenn man einfach nur fliegen will. Aber ist das nicht eigentlich verrückt? Natürlich kenne ich auch Strafen, die nichts mit Schmerz zu tun haben. Eine Nacht auf dem Teppich zum Beispiel hat früher meine innere Göre immer ganz gut zurückgedrängt aber ich muss sagen, das Konzept meines Herrn gefällt mir doch sehr, auch wenn es schwer fällt, alte Muster abzulegen.

Wir sind noch ganz am Anfang und ich bin nur zu gespannt, was er sich demnächst einfallen lässt. Jetzt könnte man behaupten, dass ich zur Wunschzettelsub geworden bin. Stimmt vielleicht in Teilen. Bei ihm kann ich Wünsche äußern und muss nicht darüber nachdenken, was es bedeuten könnte, einfach weil er mir Sicherheit gibt. Aber jetzt mal ehrlich: Wer sagt denn, dass Wunschzettel etwas Schlechtes sind? Ich habe bei ihm immer das Gefühl nein zu sagen, ganz ohne Angst haben zu müssen, dass ich versagt habe und nur, weil es im „Goldenen Buch des BDSM“ so steht, dass Sub keine Wünsche äußern darf und gefälligst Schmerz als Strafe eingesetzt werden muss, heißt das noch lange nicht, dass das MEIN BDSM ist. Wir alle verändern uns, jede Beziehung hat eine andere Dynamik und warum sollte man etwas nicht machen, nur weil man es eben nicht tut? Das wäre doch wirklich mehr als dumm. Und so werde ich in Zukunft versuchen, die Göre etwas zu bändigen, denn eigentlich brauche ich sie ja nicht mehr.

Einblicke ins Kellnerleben

Wer heute eine heiße Geschichte erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Derjenige möge einen der älteren Posts lesen und sich daran erfreuen. Heute möchte ich mit euch ein paar Erlebnisse und Eindrücke teilen, die ich jetzt in meinen 6 Wochen als Kellnerin erfahren durfte. Und was soll ich sagen? Man lernt viel über die Menschheit, wenn man ihnen Alkohol und Essen bringt.

Ich habe das Gefühl bekommen, dass Gäste Kellner nicht als Menschen wahrnehmen, sondern als Roboter, die man behandeln kann, wie man möchte. Natürlich sind nicht alle so aber gefühlt ist es doch die Mehrheit. Sei es, wenn man telefonisch eine Bestellung aufnimmt und schon bei der höfflichen Verabschiedung das tut-tut-tut des Telefons hört oder am Gast selbst, dem du dich näherst und sie dich ignorieren und munter weiter auf ein Youtube-Video glotzen. Scheinbar werden wir unsichtbar, wenn wir eine Schürze tragen. Natürlich nur so lang, bis irgendetwas nicht passt. Sei es der Wein, der natürlich fast ausgetrunken wird und dann als korkig reklamiert wird oder das Essen nicht schmeckt, obwohl nur eine einzelne Nudel auf dem Teller liegt. In diesem Moment fällt es oft schwer freundlich zu sein aber eins habe ich gelernt, der Kunde ist König, auch wenn er das größte Arschloch des Universums ist und einen mit Bierdeckeln bewirft. Schlechtes Benehmen beantworte ich mit absoluter übertriebener Höfflichkeit.

Vor kurzen hatten wir einen Kegelverein da, ca. 30 Personen, die nach und nach eintrudelten. Und ich gebe zu, dass ich einen von ihnen kurz übersehen habe. Seine Reaktion als ich ihn nach 15 Minuten nach seinem Getränkewunsch fragte, war Geschrei, die Drohung, dass er für meine Kündigung sorgen würde und natürlich ein sexistischer Spruch. Natürlich wurde ich nicht gekündigt aber in solchen Momenten frage ich mich, warum Mensch so reagiert. Natürlich kann man seinen Unmut äußern aber muss man dabei seine Kinderstube vergessen? Auch Servicepersonal sind nur Menschen, die auch mal einen Fehler machen und jetzt mal ehrlich, wer von euch hat noch nie im Job einen Fehler gemacht? Man sollte meinen, nach einer oder drei höflichen Entschuldigungen wäre das gegessen aber weit gefehlt. Natürlich wird der gesamte Tisch dazu animiert, ja kein Trinkgeld zu geben.

Ich möchte hier nicht jammern aber viele Kellner verdienen nicht die Welt und ohne das Trinkgeld sieht es knapp aus. Aber ich habe gelernt, dass die 5-10%, die immer wieder herumgeistern, doch eher eine Ausnahme sind. Oftmals bekommt man nicht mal die 10 Cent, die zum Aufrunden fehlen würden und das obwohl der Gast nichts beanstanden hat. Das lässt einen Zweifeln. Bin ich wirklich so wenig wert? Und dann sind da die Gäste, die selbst wenig haben und für die Essengehen ein Highlight ist. Die ein großartiges Trinkgeld geben und sich oftmals mehrmals bedanken. Das sind die, für die ich diesen Job nur zu gerne mache. Und es egal erscheint, dass man seit 12 Stunden am Arbeiten ist. Und bevor ihr mit Arbeitsrecht kommt… Ich sage nichts dazu und lache leise vor mich hin.

Natürlich gibt es Methoden, um das Trinkgeld aufzubessern. Roter Lippenstift, ein Knopf der Bluse mehr geöffnet, als es sein müsste und natürlich auch hin und wieder ein harmloser Flirt aber die Grenze zu ziehen, ist schwierig, besonders wenn später mehr Alkohol im Spiel ist.

Fragt mich ein Gast nach meiner Handynummer, bekommt er mit einem Lächeln einen Flyer des Lokals, mit dem Kommentar, dass ich so viel arbeite, dass ich dort besser zu erreichen bin. Meist endet das in einem Lachen. Schwieriger wird es dann mit Berührungen. Zurückweisungen mindern das Trinkgeld. Ein Arm, um die Hüfte gelegt, wird oft toleriert, je nach Alkoholpegel, während andere Bereiche tabu sind und ich dann, verzeiht den Ausdruck, lieber auf das Trinkgeld scheiße. Nur weil ich im Service arbeite, muss ich euch nicht jeden Wunsch erfülle. Besonders wenn er nicht auf der Karte steht!

Oftmals lächle ich unangenehme Situationen weg. Der Opa, der mich mit seinem Sohn verkuppeln will, der andere alte Mann, der zu jedem Bier auch einen Schmatzer bestellt, auch das ist Alltag. Ein lockerer Spruch hilft da oft aber manche Situationen überfordern. Auch Fragen, ob man mich als Dessert haben kann, sind unangehm.

Warum ich euch das alles erzähle? Damit ihr vielleicht ein bisschen versteht, warum es auch dem Service manchmal schwer fällt zu lächeln. Ich liebe meinen Job, er macht mir jede Menge Spaß, trotz all dieser Umstände aber was mich wirklich nervt, ist dass wir als hirnlose Tellerträger wahrgenommen werden. Kellnern ist mehr als Gläser und Teller tragen. Wir haben die Karte im Kopf, improvisieren, wenn ein Gast Sonderwünsche hat, mixen Cocktails (auch ohne Rezept), können Servietten auf x-verschieden Arten falten, machen den Einkauf, kontrollieren die Küche, organsieren große Feste, schleppen auch mal Getränkefässer rum und vor allem, versuchen wir euch glücklich zu machen. Aber wir sind nur Menschen. Auch uns passieren Fehler und Missgeschicke. Seid nett und höflich, so wie ihr es vielleicht zuhause gelernt habt, gebt Trinkgeld, wenn ihr zufrieden seid, auch wenn ihr mit Karte zahlt und versucht eure Hände bei euch zu halten. Wir alle sind Menschen mit Gefühlen. Es wäre schön, wenn ihr das beim nächsten Essen bedenkt und uns vielleicht auch mal ein Lächeln schenkt, auch wenn wir vielleicht wie Pinguine aussehen.

Die Sache mit S.

Ich weiß, mein Leben ist zur Zeit für viele wohl verwirrend. Gerade die Sache mit S. und meiner neuen Beziehung bekommen wohl einige nicht unter einen Hut. Ich werde mal versuchen, etwas Klarheit zu schaffen.

Wie ihr wisst, ist S. mein wohl älterester Freund mit dem ich auch einige Zeit das Bett geteilt habe. Wir lieben uns aber eben auf einer eher freundschaftlichen Basis und so war auch von Anfang an klar, sollte bei einem von uns die Liebe anklopfen, würden wir unseres Arragement lösen und zur „einfachen“ Freundschaft zurückkehren. Und so geschah es aus, früher als erwartet aber wer kann sowas schon planen? In der Öffentlichkeit traten wir allerdings als Paar auf. Zum Einen weil ich dadurch den ständigen Verkupplungsversuchen meiner Mutter entging, zum anderen war es einfach für die Außenwirkung besser, wenn er eine Frau an seiner Seite präsentieren konnte. Das mag berechnend sein aber ich sehe darin nichts verwerfliches, so lang alle Beteiligten wissen, woran sie sind.

S. wusste bereits vor dem Wochenende mit J., dass sich da etwas entwickelt hatte und so ließ er mir die Wahl, ob ich seine Kette tragen würde oder eben nicht. Ich entschied mich dagegen. Ich wollte und musste herausfinden, was das zwischen J. und mir ist und die Kette eines anderen Mannes hätte das vielleicht erschwert.

Nach dem Wochenende hatte ich Klarheit und was für eine. Ich bin J. verfallen, mit Haut und Haaren, Seele und Herz. Er ließ es mir offen, ob ich dass zwischen mir und S. weiterlaufen lassen wollte aber es wäre keinem Beteiligten gegenüber fair gewesen, hätte S. mit mir gespielt und meine Gedanken und mein Herz wären bei J. gewesen. Und so stand ich kurz darauf extrem nervös, mit seiner Kette in der Hand vor seiner Tür. Ich hatte mich die 4 Tage über nicht gemeldet und ich bin mir heute sehr sicher, dass er wusste, was kommen würde und trotzdem drückte er mich gegen die Tür. Ich tauchte unter seinen Armen hindurch und stand zugegeben etwas verschüchtert vor ihm, die Hand mit der Kette ihm entgegengestreckt.

Doch statt sie zu nehmen, schloss er mit seiner Hand meine und grinste mich an. „Ich wusste, dass das so kommt. Und nein, die Kette nehme ich nicht. Sie gehört dir und vielleicht willst du sie ja ab und an tragen, ganz ohne Besitzansprüche meinerseits dir gegenüber. Das Wochenende war also gut?“

Er holte uns 2 Whiskys nahm neben mir auf der Couch Platz und wir redeten lang und ausführlich. Wobei… Ich redete und er hörte zu. Und mit jeder Minute wuchs sein Grinsen. Er freute sich wirklich aufrichtig für mich. Als ich mich verabschieden wollte, wurde ich dann doch noch in einen fast schon brutalen Kuss gezogen, mit der Begründung, dass sich das so gehöre. Und es war okay. Wir waren wieder auf dem Stand von meiner Nichtgenugliebeserklärung.

Kurz darauf begleitete er mich auf einen Familiengeburtstag. Und ja, das tat er als Partner. Ich kann noch nicht offenbaren, dass es einen neuen großartigen Mann an meiner Seite gibt. Meine Familie würde mich in Stücke reißen und so kam es wie es kommen musste und wir wurden gefragt, wann wir denn heiraten wollen würden. Ich verschluckte mich fast an meinem Stück Kuchen, während S. einsprang. „Wenn sie mit 35 noch nicht unter der Haube ist, werde ich sie höchstpersönlich an die Leine nehmen und zum Altar zerren.“ Er nannte keine Namen und meinte auch sich nicht damit aber die Familie war erstmal beruhigt. Und wenn ich so drüber nachdenke, stelle ich mir das ziemlich lustig vor, wenn ich an einer Leine zum Altar geleitet werde. Die halbe Verwandtschaft würde wohl an einem Herzinfarkt krepieren. Aber sie haben es wohl nicht so wörtlich interpretiert wie ich.

Meine Probezeit im Job wurde nicht verlängert und so besorgte mir S. ein Bewerbungsgespräch. Nichtsahnend kam ich in ein Büro eines Restaurants und wer saß mir gegenüber? Der Typ vom Pokerspiel. Und so begann mein Bewerbungsgespräch mit einem „Oh Fuck! Ernsthaft?!“ und auch wenn man es nicht glauben will, es verlief dann doch recht professionell und es wurde auch betont, dass Ben keine sexuellen Beziehungen zu Angestellten pflegt und ich mir deshalb keinen Kopf machen sollte. Das Probearbeiten verlief gut und ich habe den Job bereits angetreten und es ist eigentlich ganz angenehm. Natürlich wusch ich S. nach dem Bewerbungsgespräch den Kopf. Mir diese Tatsache zu verschweigen, war mies. Auch wenn ehrlicherweise die Gefahr bestanden hatte, dass ich mit diesem Wissen nicht hingegangen wäre. Er war einsichtig und erschien mir plötzlich sehr klein und dafür spielt er einen Monat mein Taxi. Ich finde, das ist ein guter Deal.

Was mir das alles gezeigt hat? Die Freundschaft gibt es noch. Und ist wieder so wie früher. Man weiß eben jetzt, wie der andere nackt aussieht aber mal ehrlich, was ändert das schon? Er ist mir immer noch unglaublich wichtig und ich würde für ihn durch’s Feuer gehen und er für mich aber er akzeptiert völlig, dass ich nicht mehr zu ihm gehöre. Und ich hoffe wirklich, dass seine Miss Perfect irgendwann noch durch die Tür gestolpert kommt.

Ein perfektes Wochenende.

Am 19.1. war es endlich so weit. Alles begann mit einem Kuss. Wobei, das ist nicht ganz richtig. Es begann eigentlich damit, dass wir uns seit Jahren auf Twitter folgten, ohne großen Kontakt. Es folgte eine DM, die erste Nachricht bei WhatsApp, die erste Sprachnachricht von vielen und jeder Menge Kopfkino. Irgendwie hatte es dieser Mann still und leise geschafft, sich in meinen Kopf und vor allem in mein Herz zu schleichen. Er war es, von dem ich meinen ersten handgeschriebenen Brief von einem Mann bekam. Ich halte mich nicht für romantisch und der Inhalt des Briefes war es auch nur zu kleinen Teilen und trotzdem kann ich mittlerweile den Text fast auswendig. Er war die Einladung zu diesem Wochenende. Einem Wochenende, das mir die Worte, den Atem und vor allem mein Herz raubten.

Und so kam es, dass ich um 5 Uhr morgens im Badezimmer stand, überlegte, was ich nur tragen sollte und so nervös wie lange nicht mehr war. Innerlich meckerte ich mich an, dass es doch naiv und dumm wäre. Und doch saß ich kurz darauf in einem Fernbus, in ein Bundesland, was ich sonst wohl eher gemieden hätte. Die Fahrt war alles andere als schön, war ich doch einfach zu nervös, um irgendetwas zu tun. Versuche ein Buch zu lesen scheiterten, als ich feststellte, dass ich bereits zum 20. Mal den gleichen Satz las, ohne den Inhalt zu erfassen und auch Musik konnte mich nicht ablenken. Als ich in der Stadt angekommen war, löste ich ein Ticket und stieg in die nächste Bahn… zu ihm. Meine Planlosigkeit schlug voll zu und so kam es, dass ich dem Schaffner meine Krankenkassenkarte zeigte, statt des Tickets. Er interpretierte es natürlich fehl und begann mich als Schwarzfahrer aufzuschreiben, bis ich endlich meinen Fehler bemerkte aber meine Gedanken waren einfach nicht fokussiert. Hatte er doch angekündigt, mich zu küssen, wenn ich aus der Bahn stieg. Was, wenn der Zauber des Internets verpuffte und wir uns nicht mochten? Was, wenn ich nicht attraktiv genug war? Was, wenn er nicht da wäre? Als schließlich die Haltestelle aufgerufen wurde, zitterte ich gefühlt am ganzen Körper. Ob es wirklich so war, wird euch J. besser sagen können.

Und dann kam er auf mich zu und es war einfach perfekt. Der erste Kuss und mein Gott, hat dieser Mann zarte Lippen. Für einen Augenblick blieb für mich die Zeit stehen. Die Zweifel waren verschwunden. Und so fuhren wir zu ihm. Er zeigte mir seine Wohnung und wir beendeten den Rundgang in der Küche, wo ich zu spüren bekommen sollte, wie sich so ein Kühlschrank im Rücken anfühlte. Und wieder küsste er mich, presste sich an mich. Irgendetwas fiel vom Kühlschrank herab und wir brachen in Gelächter aus. Kurz darauf wieder seine Lippen auf meinen. Ich glaube, in diesem Moment habe ich vergessen wie man atmet. Seine Finger stahlen sich unter meinen Pulli und die kleinste Berührung verursachte eine Gänsehaut am ganzen Körper. Ein erster  sanfter Biss in den Hals, als mein BH nach oben geschoben wurde und er zum ersten Mal meine Brüste berührte. Und dann… klingelte es an der Tür.

Er hatte noch 2 Twitter-Menschen eingeladen, auf die wir beide uns sehr freuten aber im ersten Moment verfluchte ich die Türklingel doch sehr. Er öffnete die Tür, während ich mich in der Küche wieder einigermaßen richtete. Ob mir das gelang, können wohl nur die anderen beurteilen. Und so stellten wir uns einander vor, ist die Realität doch etwas Anderes, als das Internet und doch, würde ich behaupten, verstanden wir uns von Anfang an gut. Es wurde geredet, gelacht, lecker gegessen und weiter geredet bis in die Nacht. Berührte J. mich am Anfang eher „zufällig“ oder wenn die anderen Gäste außer Sichtweite waren, änderte sich das im Laufe des Abends recht schnell. Seine Hand auf meinem Bein, ganz züchtig und brav, ein kurzes Streichen über die Schultern, wenn er vorbeiging. Irgendwann stellte sich die Müdigkeit ein und so bezogen die zwei ihr Nachtlager auf der Couch, während ich J. in sein Reich, sein Schlafzimmer, folgte.

Dass ich in seinem Bett schlafen würde, stand schon vor unserem ersten Kuss fest. Er hatte es bestimmt und duldete in der Hinsicht auch keinen Widerspruch und ich wäre eine Närrin gewesen, hätte ich etwas dagegen gehabt. Und so stand ich da. Mitten in seinem Schlafzimmer und fühlte wie meine Schüchternheit langsam hochstieg. Er küsste mich. Erst sanft, dann immer wilder. Und auch meine innere Göre meldete sich wieder einmal zu Wort und wollte mitreden. Und so biss ich ihn immer mal wieder in die Unterlippe, um zu provozieren. Es war mir nicht mal bewusst, dass ich es tat und doch bereue ich nicht einen blauen Fleck, nicht einen Kratzer, den er von mir bekommen hat. Seine Bisse wanderten tiefer zu meinem Nacken und was soll ich sagen, diese Körperstelle, ist definitiv mein Kryptonit. Es folgten Umarmungen, die mir die Luft nahmen und ich verlor meinen Pullover und den BH fast zeitgleich. Seine Bisse verlagerten sich zu meinen Brüsten und auch er verlor sein Oberteil. Endlich mehr Haut spüren. Die Wärme, den Duft… Irgendwie bugsierte er mich vor den Spiegel am Schrank und auch meine Lederhose samt Unterwäsche fiel. Und während ich uns so betrachtete, schoß mir der Gedanke durch den Kopf, dass wir doch ein ganzes hübsches Paar wären und aus irgendeinem Grund erschrak ich nicht mehr bei dem Gedanken. Gut, dass könnte auch daran liegen, dass seine Hand in diesem Moment das erste Mal auf meinen Arsch traf und ich von der Intensität überrascht war. Seine Hand wanderte in meine Scham und in mir kam der Gedanke auf, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, ihn mehrere Tage zuvor immer wieder damit zu provozieren, dass ich oft kommen kann und er mich nicht zum Betteln bringen würde. Er hat es an diesem Wochenende tatsächlich geschafft. An viel Schlaf war natürlich nicht zu denken und doch schliefen wir irgendwann, viel zu spät, ich bereits überreizt, küssend und kuschelnd ein. Und ich schlief wirklich in seinen Armen. Ich betone das so, weil ich normalerweise diese Nähe nicht ertrage und wenn der Mann endlich schlummert von ihm abrücke aber ich fühlte mich so sicher und geborgen und ich schlief so gut, wie lange nicht mehr. In meinen Gedanken hallten seine Worte nach. „An diesem Wochenende bist du mein.“ Und hoffte bereits da, dass es nicht bei diesem Wochenende bleiben würde.

Am Morgen wurde ich mit Kaffee versorgt und war ihm dafür mehr als dankbar. Seine Dusche wurde eingeweiht und für Weltklasse befunden. Im Laufe des frühen Nachmittags stieß ein weiterer Internetmensch und guter Freund von J. zu uns. Natürlich genau passend, als der Kuchen aus dem Ofen kam, welcher zuvor so lecker roch, dass ich mich vor den Ofen setze. Wir aßen den Kuchen, der eigentlich als Dessert gedacht war und unterhielten uns wieder über Gott und die Welt. Irgendwann fand ich mich in der Küche wieder und half ihm dabei für den Abend das Menü vorzubereiten und auch dort harmonierten wir wieder perfekt. Ich schnippelte, er briet an, wir redeten, lachten und küssten uns, während die anderen Gäste im Nachbarraum sich unterhielten. Später gab es dann die zwei weiteren Gänge, die so lecker waren, dass ich am liebsten darin gebadet hätte.

Der neue Gast hatte allerlei Bastelutensilien dabei und so kam es, dass wir uns ins Wohnzimmer begaben. Die Subs, wie es sich gehört, ob geplant oder nicht, auf dem Boden. J. hinter mir im Schaukelstuhl, während der Bastler seinen Platz im Bürostuhl mir gegenüber bezog. Durfte ich bereits am Morgen Bekanntschaft mit seiner gebastelten Stacheldrahtlederpeitsche machen, die wohl kaum so extrem wie echter Stacheldraht ist aber dennoch lange und intensiv zieht, obwohl sie eher wenig Spuren hinterlässt, bastelte er nun an einem weiteren Folterinstrument, welches für J.s Arsenal bestimmt war. Und so kamen von hinter mir immer wieder ein paar Vorschläge zur Farbgestaltung und Ähnlichem, während er mir die Schulter massierte, mich biss oder küsste und mich damit in den Wahnsinn trieb. Die Peitsche wurde aus Paracord gefertigt, welches ich eher bei der Verwendung als Armband und Schlüsselanhänger kannte, und als Schwunggewicht wurden die vorderen Enden verknotet. Ich muss gestehen, habe ich dieses Spielzeug doch eher belächelt, wurde ich später im Schlafzimmer eines besseren belehrt. Sie zieht höllisch und hinterlässt wunderschöne Spuren auf der Haut.

Weiter ging es mit der Konstruktion einer Gerte, wobei man es wohl auch als Schlagstock titulieren könnte… J. entschied sich für eine 5mm dicke Federstahlmitte und rings herum Paracord. Und so saß mir der Bastler gegenüber und grinste mich immer mal wieder sadistisch an, während er je weiter er kam, immer mal wieder das Instrument an seinem Bein testete und mich dabei genau im Blick behielt. Ich wurde immer hibbeliger und konnte irgendwie den Anblick kaum ertragen aber wegschauen konnte ich auch nicht. Die Berührungen von J. machten es nicht besser. Eher im Gegenteil. Die anderen Gäste bastelten in der Zwischenzeit ihre eigenen Exemplare und es wurde wieder über viel geredet – aber über was? Ich habe keine Ahnung. War ich doch zu sehr auf dieses Folterinstrument fixiert. Ich weiß noch, dass ein paar Mal vor allem bei den Herren gelacht wurde, wegen meines Blicks. Und auch an diesem Abend wurde es spät. Die Gerte wurde fertig gebastelt und übergeben und es wurde sich schließlich zurückgezogen und was soll ich sagen? Ich bin wirklich, wirklich, wirklich froh, dass ich mit diesem Ding keine Bekanntschaft gemacht habe. Ja, ich bin masochistisch veranlagt aber das? Das wäre zu viel gewesen.

Aber trotzdem kam mein Masochismus nicht zu kurz. Er folterte mich mit meiner Lust. Immer und immer wieder brachte er mich zum Kommen. Ich weiß nicht wie oft – aber dachte ich bereits am Morgen, ich wäre überreizt, so war das erst der Anfang. Und ich kam und kam und kam. Unzählige Male. Immer und immer und immer wieder. Er spielte mit meiner Lust und brachte mich zum Beben und Zittern. Hatte ich es immer in diversen Filmen für absolut übertrieben gehalten, wenn die Frau ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte und nur noch zuckte und zitterte, spürte ich es nun am eigenen Leib. Und es gefiel mir. Scheinbar nicht nur mir, denn er machte immer weiter.

Irgendwann war es erstmals genug mit den Orgasmen – verrückt, ich weiß. Und er wechselte zu den Peitschen über. Jeweils fünf Schläge mit der einen und dann fünf mit der anderen. Zuerst meine Brüste, dann mein Arsch und schließlich eine weitere Premiere für mich: der obere Rücken und das ist wirklich eine andere Liga. Verständlich, ist er doch nicht so gut gepolstert. Er schlug mich, bis bei mir die Tränen flossen und es tat so unglaublich gut. Er sagte mir, dass die letzten Schläge ihn Überwindung gekostet hätten und das sie sein Geschenk für mich wären. Er nahm mich einfach in den Arm, hielt mich fest und sagte, dass er für mich da ist. In diesem Moment war mir bewusst, dass er meine Schutzmauern zu Schutt und Asche verwandelt hatten und es war ein wunderschönes Gefühl, sich so geborgen, sicher und ja, geliebt zu fühlen.

Der Sonntag begann für uns erst gegen Mittag. Und ich muss sagen, sein Bett ist einfach magisch. Es zu verlassen war wirklich, wirklich, wirklich schwer und doch musste es sein. Eigentlich sollte ich es ja vorerst das letzte Mal verlassen, da mein Bus am späten Abend fuhr. Die Stimmung war wieder ausgelassen. Ich bekam mein Menschlichkeitsserum namens Kaffee und so kam es, dass wir wieder über alles und nichts sprachen. Im Stillen fragte ich mich ja, ob die anderen Gäste wohl in der Nacht meine Schreie gehört hatten… Wobei ich war mir eigentlich sicher, dass dem so war. Zu sehr zog die Peitsche, zu intensiv war das alles. Am Nachmittag verabschiedeten sich die anderen Gäste und so landeten wir wieder mal im Bett. Und dort machte ich auch das erste mal mit dem Satisfyer Bekanntschaft, welchen er mir schenkte. Hielt ich ihn anfangs für ein völlig überbewertetes Spielzeug mit einer schlauen Marketingstrategie, wurde ich schnell eines besseren belehrt. Falls ihr noch keinen zuhause habt, legt euch einen zu. Er ist grandios! Und nicht nur für die Klitoris ist er gut, er fühlt sich auch an Nippeln sehr gut an. An diesem Tag leckte er mich auch das erste Mal und erschütterte mein Weltbild. Bei den Typen, die ich vorher hatte, war es eher ein unerotisches Geschlabber, was mich eher dazu animierte gedanklich den Einkaufszettel durchzugehen, war es bei ihm völlig anders. Und ich kam wieder. Dieser Mann kann wirklich mit seiner Zunge umgehen. Ich würde ja sagen, probiert es aus aber…

Nach weiteren zahllosen Orgasmen, mehr für mich als für ihn, wobei er wirklich, wirklich, wirklich fantastisch schmeckt, ganz ohne Ananassaft und andere Tricksereien, fragte er mich, was denn wäre, wenn ich den Bus „verpassen“ würde. Ich hatte so auf diese Frage gehofft und so buchte ich schnell um für den nächsten Morgen, telefonierte kurz mit meiner Mutter, die sich für den nächsten Tag eigentlich zum Mittagessen angemeldet hatte und informierte sie, dass Wetterchaos sei und ich vernünftigerweise eine weitere Nacht auf seiner Couch nächtigen würde. Tja, da hat der Wettergott wohl zu gut zugehört. Und auch diese Nacht, sie war sehr kurz, da wir sie neben-, mit- und ineinander verbracht haben, schlief ich wohlbehütet und geliebt in seinen Armen ein.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf, ich packte meine Sachen, sprang unter die Dusche und bekam wieder mal meinen Kaffee. Kurz darauf saßen wir in seinem Auto auf dem Weg zum Bahnhof. Meine Stimmung war mies. Ich wollte nicht weg. Auf gar keinen Fall. Es hatte geschneit und die Straßen waren zum Teil eher mies geräumt. Das Autoradio verkündete, dass auf meiner Busstrecke sich bereits jetzt mehrere Stunden Stau gebildet hatten und auch der Weg zum Bahnhof wäre knapp geworden und so entschloss J., dass sich mein Aufenthalt um einen weiteren Tag verlängern würde. Innerlich notierte ich mir, dass ich dem Wettergott etwas schuldig bin und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Also zurück zu ihm, den Koffer wieder ins Schlafzimmer gebracht und wieder ab ins Bett. Wir schliefen tatsächlich noch ein paar Stunden und natürlich schliefen wir nicht nur im Bett aber das war euch sicherlich schon klar. Abends lernte ich dank ihm den weltbesten Döner kennen, wir spielten eine Runde Pokémon und danach saßen wir einfach kuschelnd auf der Couch, während wir ein Livekonzert einer mir bisher unbekannten Band schauten, die mich aber begeisterte. Und natürlich gingen wir recht früh ins Bett. Waren die Spuren auf meiner Haut doch leicht unsymmetrisch, so dass dies noch geändert werden musste. Doch vorher spielte er wieder mal mit meiner Lust. Ich weiß nicht, wie oft ich in diesen 4 Tagen kam aber ich schätze, wir sind definitiv schon im dreistelligen Bereich. Es hatte seine Gründe, warum mir das Sitzen die nächsten Tage schwer fiel und die Schläge hatten daran nur eine sehr geringe Mitschuld. Und doch bereitete er mir, zu meiner großen Freude, an diesem Abend Schmerzen. Ich bekam im Wechsel fünf Schläge mit der Paracord-, dann mit der Stacheldrahtlederpeitsche. Besonders der Rücken war wieder sehr heftig, obwohl ich weiß, dass ich eigentlich viel mehr aushalten kann aber in Kombination mit Gefühlen ist wohl das Schmerzempfinden ein Anderes. Und so kam es, dass ich mich nach einem besonders heftigen Schlag auf den Rücken drehte, weil ich in diesem kurzen Moment nicht mehr konnte aber nicht bereit war unser Safeword zu nutzen. Er forderte mich zweimal auf mich wieder umzudrehen. Sein Blick, seine Stimme, seine Ausstrahlung. Alles in mir schrie, ihm zu gehorchen und da war sie wieder. Die Göre, die provozieren wollte und so änderte er kurzerhand die Schlagintervalle auf Zehn Schläge. Zehn Schläge, die er jeweils durchzog und ich danach bestimmen konnte, ob er weitermachen sollte oder nicht. Natürlich hätte ich jederzeit mein Safeword gebrauchen können aber ich wollte und musste nicht. Und auch an diesem Abend flossen die Tränen. Heftiger als beim letzten Mal. Die letzten Dämme brachen, das letzte bisschen Scheu verschwand, als er mich aufforderte ihn anzusehen und es mich keine Überwindung kostete dem Nachzukommen, obwohl ich wohl eher nicht wirklich hübsch war in diesem Moment. Eine weitere Nacht voller Liebe, Zuneigung und Nähe verbrachte ich in seinen Armen und so nahte das Ende dieses perfekten „Wochenendes“ viel zu früh. Ich überwand mich am Morgen, ihn eigentlich eine viel zu kindische Frage zu stellen, ob ich vielleicht einen getragenes Shirt von ihm mitnehmen könne und meine innere Göre musste unbedingt auch noch nach einem Hoodie fragen. Und ich bekam Beides und strahlte wie ein grenzdebiler Teenager.

Das Spiel vom Vortag wiederholte sich: Koffer packen, fertig machen, Kaffee und ab ins Auto zum Bahnhof. Nur passierte es dieses Mal wirklich. Am Bahnhof weinte ich wieder, obwohl ich mich verfluchte, wollte ich es doch nicht noch schwerer für uns machen aber ich konnte nicht anders. Der vorerst letzte Kuss war wieder einmal perfekt und tat doch unendlich weh. Das Datum des nächsten Treffen ungewiss, zwei Herzen, die sich perfekt verstanden und gefühlt unendliche Kilometer, die uns trennen würden. Ich stieg in die Bahn und hatte bei jeder Haltestelle das Bedürfnis auszusteigen, irgendwie zu ihm zu finden und mich in seine Arme zu werfen aber die Vernunft ist noch vorhanden, jedenfalls ein winziges Fünkchen davon und so bekam ich vom Busfahrer schließlich eine Süßigkeit, um mich aufzumuntern. Scheinbar muss ich wirklich grauenhaft ausgesehen haben aber so fühlte ich mich auch. Es fühlte sich nicht richtig an, in diesem Bus zu sitzen und doch musste es sein. Die Fahrt war lang und das Sitzen fiel mir schwer aber es zauberte immer mal wieder ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich mich daran erinnerte, wie es dazu gekommen war, wie sich seine Lippen auf meinen angefühlt hatten, wie warm und weich seine Haut war und was sein erstes „Ich liebe dich“ in mir ausgelöst hatten. Und so laufe ich noch immer die meiste Zeit strahlend vor Glück durch den allzu grauen Alltag. Er hat das geschafft, an das ich selbst nicht mehr geglaubt habe: Ich dachte, diese Art von Gefühlen würden mir durch meine Schutzmauern, die ich aus gutem Grund errichtet hatte, verwehrt bleiben. Und doch fühle ich so viel, so intensiv. Einfach Liebe. Es ist fantastisch. Besser als jeder Trip je sein könnte und auch um einiges gesünder. Ich bin gespannt, was die Zukunft uns bringt und wie es mit uns weitergeht. Aber bei Einem bin ich mir sicher: Ich habe mich noch nie so beschützt, wohl und geliebt gefühlt und dafür lasse ich nur zu gern meine Schutzmauern sprengen.

Er tut mir einfach unglaublich gut, bringt mich zum Lächeln und verleiht mir Stärke. In letzter Zeit, war viel los. Und ich glaube, wäre er nicht an meiner Seite, würde ich wohl gerade kaum lächeln. Er ist für mich pures Glück, dass ich nur zu gern festhalten werde. Jedes „Kleines“ löst einen Gefühlssturm in mir aus inklusive Dauer-Grinsen. Und auch wenn ich jeden einzelnen Kilometer verfluche, so bin ich doch unendlich dankbar für diesen Mann. Wir werden es schaffen, da habe ich keine Zweifel.

Spielt (nicht) mit uns…

Ich weiß, die, die mich auf Twitter verfolgen erwarten einen anderen Beitrag und der wird bald kommen. Versprochen aber ich muss etwas loswerden und vermutlich rollen viele gleich genervt die Augen.

Aber ich möchte an die Doms der Schöpfung appellieren. Ja, ihr sollt mit uns spielen. Mit unserer Lust, unseren Ängsten und Grenzen aber bitte, bitte nicht mit unseren Gefühlen. Versprecht niemanden etwas, was ihr nicht geben könnt. Ist eine Sub auf der Suche nach einem Dom für eine monogame Beziehung ohne 24/7, dann vertieft das nur, wenn ihr das auch wollt. Sprecht offen an, was ihr wollt und euch vorstellt. Es gibt für jedes Lebens- und Liebemodell die richtige Partnerin, ob Spielbeziehung, Freundschaft mit Sessions, Polygamie und -amorie oder weiß der Teufel was. Aber kommuniziert es. Von Anfang an.

Flüstert uns keine Visionen von einer Zukunft, wie wir sie uns vorstellen, ins Ohr, nur um uns mal bespielen zu können. Das tut uns nicht gut ganz und gar nicht.

Ich werde mich jetzt wieder um meine Schwester kümmern, die wie Falschgeld rumläuft, weil ihr genau das passiert ist. 2 tolle Dates und dann das erste Spielgeld und dann? BÄM! Ich bin übrigens verheiratet. Mich gibt es nur mit meiner Frau. Versteht mich nicht falsch, ich verurteile dieses Lebenskonzept nicht aber es passt eben nicht für jeden Menschen und es ist nur fair mit offenen Karten zu spielen. Ich habe ein schlechtes Gefühl, meiner Schwester die SZ gezeigt zu haben und sie trotz meines schlechten Bauchgefühls bei diesem Date begleitet habe, gesehen habe wie sie Gefühle entwickelt aber sie hat so gestrahlt und jetzt? Ich hätte es besser wissen müssen. Schließlich habe ich mehr Erfahrung und weiß, wie viele Blender unterwegs sind.

Jetzt ist diese starke Löwin, die mehr Kämpfe gewonnen hat, als man sich vorstellen kann, im Bett und leckt sich ihre Wunden. Ihr müsst uns keine Geschenke machen. Seid einfach bitte ehrlich zu uns. Denn gerade im BDSM-Bereich ist Ehrlichkeit, Vertrauen und Kommunikation so essentiell.

Ich würde ihr so gern von meinem Wochenende berichten aber ich würde sie verletzen und auch wenn sie gerade verbal um sich schlägt, werde ich das nicht tun. Ich würde nicht anders handeln. Es braucht Zeit soetwas zu verdauen und ich hoffe wirklich, dass sie sich wieder auf die Suche begibt. Gerade sie, die ihre Leidenschaft Jahrzehnte unterdrückt hat und nur durch meinen Anstoß den Mut fand, sich wieder damit zu beschäftigen.

Ich bin versucht mich nach Wochen wieder einzuloggen und diesem „Herren“ die Leviten zu lesen. Denn mich darf man verletzen, damit kann ich umgehen aber meine Lieben? Oh nein! Und glaubt mir, mich will man nicht als Feind haben.

Spielt mit uns. Macht uns glücklich, bringt uns zum Schreien, Weinen, Fliegen und Strahlen aber spielt nicht mit unserer Liebe, denn sie ist das größte Geschenk, die man jemanden machen kann.

Over and out.

Mein Feuerwerk

Es begann damit, dass S. mir schrieb, dass wir Silvester zu einer Party gehen würden 150km entfernt. Ich dachte mir nichts dabei, wunderte mich aber. Später kam ich wieder eine Nachricht.

„So eine ganz normale Party wird das ja morgen nicht. Jedenfalls wirst du danach nicht betrunken sein. Aber eine wirkliche Playparty ist es auch nicht. Du entscheidest, ob du morgen deine Halskette oder das Halsband trägst.“

Ich versuchte natürlich mehr herauszufinden, konnte ich mir unter einer nicht normalen – nicht Playparty nicht viel vorstellen und das half nicht bei der Entscheidung, was ich nun um den Hals tragen würde. Aber er blieb natürlich eisern. Kein Wort kam über seine Lippen.

Später am Abend eine weitere Nachricht. „Morgen 15 Uhr bei mir. Egal wie du dich entscheidest, es ist gut so, wie es sein wird. Hör auf zu denken.“

Auch das war nicht wirklich eine Hilfe, zeigte mir aber wieder mal, wie gut er mich doch kennt. Im Inneren war mir bereits klar, dass ich es riskieren würde und das erste Mal öffentlich sein wunderschönes Halsband tragen würde, auch wenn mir bei dem Gedanken daran doch etwas flau im Magen wurde. Auf Twitter kamen Vermutungen auf. Vom Kostümparty bis Gangbang war alles dabei und was soll ich sagen? Wirklich beruhigend fand ich das nicht. Ja, es sind viele Dinge in meinem Kopfkino aber für manches bin ich einfach noch nicht bereit.

Um mich abzulenken stand ich am Silvestermorgen wieder in der Küche und bereitete allerlei Köstlichkeiten zu. Meine Form der Ablenkung. Gegen 13 Uhr wurde ich von meiner Mutter zum Mittagessen abgeholt aber so wirklich viel bekam ich von der Forelle nicht herunter, war ich doch zu nervös. Glücklicherweise konnte ich das zumindest bei ihr sehr gut überspielen. Später machte ich mich auf den Weg nach oben zu S. und plötzlich wackelte meine Entscheidung, ob Halsband  oder nicht.

Die Tür öffnete sich und S. zog mich in einen tiefen, besitzergreifenden Kuss und die Zweifel waren wieder mal wie weggeblasen. Mir würde nichts passieren bei ihm. Niemals. Er schickte mich unter die Dusche und als ich ins Schlafzimmer kam, lag wie so oft ein Outfit auf seinem Bett. Scheinbar zieht er mich ganz gern an und hat dabei eine Vorliebe für viel zu kurze, enge, schwarze Kleider. Bei der roten Spitzenunterwäsche musste ich Schmunzeln. So manche Traditionen sind schon lustig. Ich zog alles an, stoppte aber bei den Halterlosen. Man würde sie ohne Zweifel komplett sehen, so kurz war dieses verdammte Kleid.

„Duhu? Kann ich vielleicht ein blickdichte Strumpfhose drunter ziehen? Es ist doch kalt draußen.“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Natürlich war es nicht wirklich kalt aber ich wollte einen Versuch riskieren.

„Du willst dich nur verstecken, Kleines.“

„Nein aber es ist wirklich kalt!“

„Ist es nicht und wir sind in gut beheizten Räumen und weil das so ist, trägst du eben außer deinem Höschen nichts drunter.“

„Aber…“ Weit kam ich nicht. Seine Hand an meinem Hals, die leicht zudrückte.

„Noch ein Wort und das Höschen bleibt auch hier. Überleg es dir gut, Kleines.“

Ich verfluchte und liebte ihn in diesem Moment zu gleichen Teilen. Ich sollte mir das Diskutierenwollen abgewöhnen. Es geht nie wirklich erfolgreich für mich aus. Das Outfit komplettierten wieder meine wunderschönen schwarzen Heels, die ich beim letzten Mal von ihm bekam. Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass ich für meine Begriffe etwas schlampig aussah. Das Kleid bedeckte gerade so meinen Po. Sitzen war an diesem Abend also keine Option. Es folgte das Make-Up. Dunkel und auffällig. Meine Haare durfte ich dieses Mal offen lassen. Er ließ mir die Möglichkeit, mich dahinter zu verstecken. Außerdem ließ es mich wilder wirken, was wohl der Hauptgrund dafür war.

„Wie hast du dich entschieden? Halsband oder Kette? Absoluter Gehorsam oder nicht?“, fragte er mich, während sein Blick mich fixierte. Ich musste schlucken, überwand mich aber schließlich doch. Es folgte ein Kuss, seine Hand in meinen Haaren vergraben und ich merkte, wie sehr er sich über meine Entscheidung freute.

„Du wirst die Entscheidung nicht bereuen, Kleines. Du weißt, dass ich niemals zu viel von dir verlangen würde. Danke, dass du mir so sehr vertraust.“

Er öffnete meine Kette, die ich erst eine Woche trug und ich fühlte mich sofort schutzlos, war sie doch bereits wie ein Teil von mir. Das kalte Leder des Halsbandes schloss sich um meinen Hals und sofort änderte sich mein Denken. Ich würde heute brav sein, die Göre in mir schlief und ich war mehr als glücklich, dass es so war.

„Deine Kette trägst du aber trotzdem.“, sagte er, während er sie mir ums Handgelenk wickelte. Nun war sie ein schönes, unauffälliges Armkettchen und trotzdem bei mir. Wieder ein Stückchen Sicherheit mehr. Heute würde ich also nicht gefesselt werden, sonst hätte es andere Stellen dafür gegeben, registrierte ich still und sollte mich dabei doch täuschen.

Irgendwann machten wir uns auf den Weg. Die Fahrt erschien mir wieder ewig. Ich vertrieb mir die Zeit mit Twitter und damit ihn immer wieder von der Seite anzuschauen, nachdem er mir ein Sprechverbot erteilte, weil ich immer wieder versuchte etwas zu erfahren. Anzug, schwarzes Hemd, keine Krawatte. Viel fehlte nicht und ich hätte gesabbert. Der Kontrast zwischen uns könnte optisch nicht größer sein. Er, die Eleganz in Person und ich, die Schlampe, die auf ihrem fast nackten Arsch saß, weil das Kleid wohl eher als Tshirt durchgehen würde.

Er fuhr durch den Wald. Irgendwo im Nirgendwo. Die letzte Stadt hatten wir schon ein paar Minuten hinter uns gelassen. Irgendwann tauchte ein großes Haus auf. Nicht protzig aber man sah durchaus, dass dort eine Menge Geld darin steckt. In Gedanken versunken, merkte ich nicht, dass S. mich ansprach. Seine Hand fasste mein Kinn und drehte meinen Kopf zu sich.

„Du kennst dein Safeword. Wenn es fällt, gehen wir. Ich bin dir dann auch in keiner Weise böse. Du musst mir nichts beweisen. Ich will, dass du du Abend genießt. Da du dich für das Halsband entschieden hast, erwarte ich Gehorsam. Du siehst ja, es sind 2 Gebäude. In dem einen findet einen ganz normale Party statt, nur dass eben alle kinky sind. Es wird nicht gespielt aber vielleicht siehst du das ein oder andere. Im anderen Gebäude dagegen wird gespielt. Du weißt, ich habe meine Sachen nicht dabei. Wir können uns es gern mal anschauen, dort wird es auch Vorführungen geben aber das ist deine Entscheidung. Vertraust du mir?“

Ich hatte sowas vermutet. Auf einer normalen Party, würde er mich wohl kaum so kleiden. Und auch, wenn es mich überraschte, ich hatte keine Angst. Eher erfasste mich Vorfreude. Die Frage nach dem Vertrauen war eigentlich überflüssig. Würde er sagen spring, würde ich nur fragen wie hoch.

„Natürlich. Und ich werde auch brav sein. Versprochen.“ Das Zeichen für ihn, dass er heute mit keinen Eskapaden meiner inneren Göre zu rechnen hatte.

Wir betraten das Haus, wobei S. seinen Arm schützend um mich gelegt hatte. Nach seiner Ansage eben hatte ich extremeres erwartet aber was ich sah, war Abendgardarobe, mal mehr, mal weniger gewagt. Ich sah ein paar Menschen an der Leine, ein paar Halsbänder, etwas Lack und Leder aber insgesamt irgendwie sehr… harmlos. S. brachte gemeinsam mit mir die Jacken zur Gardarobe und wir betraten den ersten Raum. Jede Menge Sitzgelegenheiten, irgendwie klassisch und doch schön. Dominiert wurde der Raum von einer Bar.

An mir ging eine Herrin vorbei, während ihr Sub hinter ihr herkroch. Ich wurde unsicher. Sollte ich etwa auch? Mein zweifelnder Blick traf S., der nur belustigt den Kopf schüttelte und mir ein „so weit sind wir noch lange nicht“ ins Ohr flüsterte. Er vorsorgte uns mit alkoholfreien Getränken und nahm auf der Couch Platz.

„Wie zuhause, Kleines.“, lautete seine Ansage, während ich noch etwas verloren vor ihm stand. Und ich muss zugeben im ersten Moment kostete es mich Überwindung aber schließlich kniete ich mich dann doch mit dem Rücken zu ihm vor ihn. Seine Hand in meinem Haar und ein Kuss auf den Nacken waren meine Belohnung. Der Abend verging, S. wurde immer mal wieder auf mein Halsband angesprochen, dass ich dann präsentieren musste. Meine Angst war wie weggeblasen. Ich fühlte mich einfach wohl.

Irgendwann ließ ich S. zurück und verabschiedete mich nach draußen zum Rauchen. Und da stand ich nun in der Kälte und fror mir meinen Arsch ab und dann funktionierte das blöde Feuerzeug nicht. Neben mir stand nur eine Frau. Ich schätze sie so auf die Enddreißiger und sehr hübsch. Fast schon einschüchternd hübsch. Sie war anscheinend als Herrin anwesend und in meinem Kopf ratterte es. Wie sollte ich sie um Feuer fragen? Du oder Sie und überhaupt wie? Sie muss meinen Zwiespalt gesehen haben, denn plötzlich hielt sie mir das Feuer vor die Nase.

„Dein erstes Mal? Du wirkst gerade ein bisschen wie ein verschüchtertes, süßes Rehkitz. Ich bin übrigens Marie.“

Ich nannte ihr meinen Namen. „Ist es so offensichtlich?“

„Naja du warst noch nicht im Spielbereich, oder? Du wirkst ein bisschen verschüchtert. Keine Angst, ich beiße nicht. Bist du mit jemanden hier?“

Und aus einer Zigarette wurden 4, weil wir uns einfach verquatscht hatten. Irgendwann tauchte plötzlich S. vor mir auf.

„Ach, hier steckst du, Kleines. Eine rauchen geht aber schneller.“

Ich entschuldigte mich bei S., danach stellten sich die 2 einander vor. Sie erzählte von einer Vorführung, die gegen 22 Uhr starten sollte und ob wir die uns nicht ansehen wollten, lobte mein Halsband und unterhielt sich nun auch angeregt mit S., der beteuerte, dass es meine Entscheidung wäre, ob ich mich heute schon in die Playarea und sei es nur zum Gucken, trauen würde.

Ich fühlte mich herausgefordert und teilte mit, dass ich zumindest gern mal alles sehen würde.

Und kurz darauf stand ich da, während auf der Bühne ein junger Mann die Peitsche zu spüren bekam und war fasziniert und nicht nur das. Ich wollte auch. Nicht so öffentlich zwar aber der Wunsch war plötzlich da. Etwas was am Beginn des Abends für mich unvorstellbar gewesen wäre. Und so zog ich S. weg von den Menschen, die dort versammelt standen und redete mit ihm offen über meine Wünsche. Sein Funkeln in den Augen verriet mir, dass ihm das Gehörte gefiel und so nahm er mein Haar und zog mich daran durch den Raum. Mit den Heels war mehr als ein Stolpern nicht möglich. Und es gefiel mir, auch oder gerade weil es der Ein oder Andere mitbekam.

Im hinteren Bereich gab es durch Vorhänge abtrennte Separees. Die Meisten waren belegt. Er zog mich in eines davon, weil man daraus keine Geräusche hörte und plötzlich stand Marie vor uns.

„Ach, doch so mutig deine Kleine? Gebt mir eine Minute. Ich mach meine Sklavin eben los und dann verschwinden wir.“ Ein Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht und ihr Blick fixierte mich. „Außer natürlich ihr wollt, dass wir bleiben.“

Sie löste die Fesseln der Frau auf dem Strafbock, die eben noch ihr rotes Hinterteil präsentiert hatte. Währendessen traf mich der Blick von S. und ich weiß nicht, was mich in diesem Moment ritt aber ich nickte. Ich wollte, dass die Beiden blieben.

Und so kniete ich mich auf den Strafbock, wurde von S. fixiert und kurz darauf schob er mir schon mein Kleid nach oben. Ich hatte darum gebeten meinen Slip anbehalten zu dürfen. Für mehr fühlte ich mich noch nicht bereit. Kurz darauf spürte ich den ersten Schlag mit seiner Hand. Nicht wirklich fest aber doch gut spürbar. Und nicht nur diesen fühlte ich auf meiner Haut. Auch die Blicke der 2 Frauen. Er steigerte die Intensität der Schläge und fuhr mit seinen Fingern über meine bedeckte Mitte, die meine Gefühle wohl sehr offensichtlich preisgab. Ich hörte das dreckige Lachen, dass ich so liebe.

„Willst du mehr?“ Mehr als Nicken konnte ich in diesem Moment nicht.  Ich hörte, dass ein Gürtel geöffnet wurde und wusste nur zu gut, was folgen sollte. Ich liebe den Gürtel!

Und so traf mich immer wieder das kalte Leder und ich war wie berauscht. Dazwischen strichen immer mal wieder seine Finger über meine geschundene Haut.

„Was hälst du denn davon, wenn die gute Marie dir zum Abschluss noch ein paar Klapse gibt? So als Belohnung, dass du heute so ein braves Mädchen bist.“ Ah, diesen Punkt auf meiner Kopfkinoliste sollte heute also auch abgearbeitet werden und ich war mehr als bereit dazu.

Es war intensiv. Eine Frau schlägt eindeutig anders als ein Mann. Gut, mir fehlen die Vergleichmöglichkeiten aber heiß war es auf jeden Fall. Nach ein paar relativ harten Schlägen befreite mich S. vom Bock und wies mich an, mich bei Marie zu bedanken. Ich nuschelte ein „vielen Dank, Marie“ hervor, wusste ich doch nicht, was von mir erwartet wurde. Sie lachte und zog mich in einen Kuss.

„Pass gut auf dein Prachtstück auf, mein Lieber. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Scheint ihr ja ganz gut zu gefallen die Veranstaltung.“ Und mit diesen Worten waren die Beiden auch schon verschwunden.

Mittlerweile war es kurz vor Mitternacht. S. orderte ein Glas Sekt und für mich einen schönen Cocktail, den ich mir, wie er sagte, heute mehr als verdient hätte. Mitternacht stießen wir an und waren wie jedes andere kitschige Paar auf diesen Planeten, auch wenn die Location wohl nicht ganz so normal war. S. holte aus seinem Auto eine einzelne Rakete, die er extra für mich eingpackt hatte.

Wir tranken in Ruhe aus, S. verabschiedete sich noch von ein paar Gesprächspartnern und so verließen wir gegen 1:30 Uhr das Haus. Danach hatten wir Sex im Auto, den ich auch wirklich, wirklich nötig hatte. Ich glaube, so feucht war selten eins meiner Höschen durch so wenig Action.

Auf der Rückfahrt redeten wir über das Erlebte.

„Weißt du eigentlich, wie stolz du mich heute gemacht hast? Du hattest keine Ahnung, was auf dich zukommt und hast dich trotzdem für das Halsband entschieden. Und auch dort hast du dich einfach vorbildlich verhalten. Ich glaube, das sollten wir öfter machen. Du strahlst gerade wie ein Honigkuchenpferd auf LSD, meine Kleine.“, dabei legte er seine Hand auf meinen Oberschenkel.

Und er hatte recht. Es hatte mir gefallen. Mehr als das. Ich habe Blut geleckt. Natürlich mag das alles für euch alte Hasen lächerlich wirken. Das kleine Bisschen aber für mich war es ein riesiger Schritt, den ich nicht bereue. Es war die beste Silvesternacht meines Lebens. Scheiß auf das Feuerwerk da draußen, ich hatte meines auf dem Strafbock und wenn ich mir so ausmale, was da noch alles kommen könnte, wird dieses Jahr wohl sehr, sehr spannend. Nicht nur wegen S., auch wegen ein paar anderen Dingen aber das ist eine andere Geschichte… vielleicht.

Hatte ich Tage vorher Angst vor diesem Tag gehabt, weil ich nicht sicher war, wie emotional Silvester für mich werden würde, das erste mal nicht in meiner Herzenstadt zu sein aber es hätte nicht schöner sein können.

An Tagen wie diesen…

Der 28.12. ist für mich kein guter Tag. Es ist jetzt 2 Jahre her, dass meine Oma, die mich mit aufzog und zu der ich zwar eine sehr tiefe Bindung aber auch eine verdammt komplizierte Beziehung hatte, starb. Ohne mich. Ich habe 600km entfernt gearbeitet, obwohl ich wusste, dass es bald soweit sein würde aber es ging nicht anders. Für mich ließ sich einfach kein Ersatz finden. Ich mache mir, nicht nur deshalb, Vorwürfe und die werde ich wohl niemals abschütteln können.

Und so kam es, dass ich am 28.12. kurz nach 0 Uhr S. schrieb, ob er mich abholen konnte. Eigentlich hatte ich vor allein zu ihrem Grab zu gehen. Er sollte nur vor dem Tor des Friedhofes auf mich warten. Er ließ es nicht zu. Er hielt Abstand und schwieg, während ich vor dem Grab stand und eine schwarze Kerze entzündete. Einige mögen das geschmacklos finden und sich an der Farbe stören aber gerade kurz vor ihrem Ende konnte sie sich nur an mich als Gruftimädchen erinnern. Es war kalt und windig und die Kerze wollte einfach nicht brennen, bis S. mir die Kerze aus den zitternden Händen nahm. Bei ihm klappte es natürlich sofort. Und so stand ich da. Nachts auf einem Friedhof vor einem Grab und wurde mir der Ironie bewusst, dass meine Oma mich immer davor gewarnt hatte, zwar in einem anderen Kontext aber ich musste schmunzeln. Ja, sogar lachen und dann brachen Emotionen hervor, die ich immer nur allzu gut unterdrücken konnte.

Ich weiß nicht warum er es tat aber auf einmal saß S. auf dem dreckigen, kalten und nassen Boden und versuchte mich auf seinen Schoß zu ziehen aber im ersten Moment hatte er keine Chance. Ich ertrage in solchen Situationen eigentlich keine Nähe. Ich will es selbst bewältigen, auch wenn ich das nicht muss. Aber ich will meine vermeintliche Stärke in diesem Moment nicht aufgeben.

Er nahm meine Hand, während er so dort unten saß.

„Guck mich an, Kleines.“ Es war fast ein Flüstern. Kein Befehl und doch nannte er mich Kleines. Es dauerte einige Minuten bis ich dem auch wirklich nach kam. Zu sehr kämpfte ich damit nicht zu weinen. Idiotisch, wenn man bedenkt, in welchen Situationen er mich schon gesehen und gebracht hat. Aber da war diese Angst bemitleidenswert wirken zu können. Die ganze Zeit spürte ich wie sein Daumen über meinen Handrücken strich.

Als ich ihm dann endlich in die Augen blickte, zog er mich auf seinen Schoß und legte seine Arme um mich. Und meine Dämme brachen. Er sagte kein Wort und hielt mich einfach fest. Wie ich es brauchte. Wir waren fast eine Stunde auf diesem Friedhof und er muss gut durchgefroren gewesen sein. Meine Nachfrage auf dem Heimweg wischte er mit einem „im Moment zählst nur du“ weg.

Ich schlief in seinen Armen ein. Wohl wissend, dass dieser Tag ein schwieriger sein würde. Nicht nur für mich. Auch für ihn.

Den ganzen Tag über provozierte ich, wo ich nur konnte und er nahm alles gelassen hin. Mir war alles egal. Ich würde sogar einen Monat auf den Teppich schlafen aber ich wollte, dass er mir Schmerzen zufügte. Einfach um diese Emotionen, die ich so lange, so gut unterdrückte, zu überlagern.

Am Abend als ich von der Arbeit kam und immer noch nicht mein gewünschtes Ergebnis hatte, zog ich mich aus, legte den dünnen Rohrstock bereit und wartete über der Couch gebeugt auf ihn. Doch statt mir, wie er erhofft, körperliche Schmerzen zuzufügen, die die emotionalen verdrängen sollten, hauchte er mir nur einen Kuss auf die Schulter, holte seinen Bademantel und zog ihn mir an, um mich wieder auf seinen Schoß zu ziehen.

„Ich werde dir heute nicht wehtun, Kleines. Ich weiß, du willst es aber das wäre nicht gut für dich. Bewirf mich mit Sachen, beschimpf mich, schlag mich – es ist mir egal. Ich werde dir heute keine Schmerzen bereiten. Ich habe mir von deiner Mutter Fotoalben geliehen und die werden wir uns ansehen. Wenn du willst, kannst du mir auch erzählen, was ihr auf den Fotos erlebt habt.“

Und so kam es. Diese Fotos zu sehen, die ich seit 5 Jahren nicht gesehen hatten, tat unglaublich weh. Mir wurde wieder einmal bewusst, was ich verloren hatte. Es war nötig, auch wenn es verdammt weh tat aber irgendwie auch heilsam. Sehr heilsam.

Er hätte es so viel einfacher haben können, hätte er einfach den Rohrstock genommen und mich bis zum Safeword getrieben aber das hat er nicht. Und ich weiß, er war in diesem Moment, wo ich es nicht sein konnte, vernünftig und hat auf mich aufgepasst. Hat mich vor mir selbst beschützt… etwas was ich so noch nicht kannte.