Meine Erfahrung mit TPE

Ich könnte euch jetzt Definitionen hier reinkopieren oder ich beschreibe euch einfach, wie damals mein Alltag aussah. Ich glaube, zweiteres dürfte spannender sein und ich möchte klarstellen, dass das rein subjektiv ist und es sicherlich Paare geben kann, in denen es anders läuft.

Kurz gesagt: Er hatte die komplette Kontrolle. Über das Geld, meine Freundschaften und soziale Kontakte, meinen Körper, mein Aussehen, kurz gesagt einfach alles, wenn man mal den Beruf ausklammert.

Und am Anfang fand ich das toll. Nein, das wäre gelogen, ich fand es bis zum Ende toll, bis ich erkannte, was es mit mir gemacht hat. Es war einfach, nichts mehr entscheiden zu müssen. Ich konnte mein Denken komplett ausschalten und lies mich führen. In jeder Lebenslagen mit allen Konsequenzen.

Das Geld gab ich ab und bekam ein Budget für den Haushalt. Nach der Arbeit arbeitete ich meine Aufgaben ab und musste mich ständig melden. Spontanität gab es da nicht. Ich ging von Supermarkt x, zu Bäcker y und hatte dafür einen festen Zeitrahmen. Zuhause war ich immer nackt und verfügbar, egal für was und ob ich Lust hatte. Für mich gab es in dieser Zeit auch kein Safeword aber das war auch nicht nötig. Ich wollte unter allem Umständen gefallen, egal, was das für mich bedeutete.

Nach und nach isolierte er mich von meinen Freunden, die Anrufe zuhause wurden seltener und irgendwann war keiner mehr da. Irgendwann kam der Tag, wo einer seiner Freunde mit zuhause war. Ich blies meinem Ex damals vor dem Augen seines Freundes einen, obwohl sich in mir alles sträubte aber es war ein Befehl und so dauerte es nicht lange bis dieser Freund auch involviert war.

Es war egal, ob ich schlief, krank oder sonst irgendwie unpässlich war, ich musste verfügbar sein und falls nicht. war das auch egal. Das ging schon irgendwie.

Irgendwann endete es von seiner Seite aus. Es ging im Guten auseinander, auch wenn sich das vielleicht komisch anhört aber da war, jedenfalls von meinr Seite aus, auch Liebe. Und dann? Dann kam der wirklich schlimme Teil. Ich war allein. Musste meine Zeit selbst planen und erstmal wieder herausfinden, wer ich eigentlich bin und was ich will. Ich hatte in der Zeit nur das Bestreben, ihn glücklich zu machen und plötzlich war mein Ziel weg. Ich war allein, hatte keine Hobbies und auch sonst kannte ich mich recht wenig. Es hat fast ein Jahr gedauert bis ich wieder mit erhobenen Kopf durch die Straßen lief und wusste, was ich mag und was eben nicht. Dass immer verfügbar zu sein, eben kein Spaß war, sondern mitunter nicht wirklich von mir gewollt war, auch wenn ich nicht nein gesagt habe.

Heute weiß ich, dass nicht viel gefehlt hätte, um in den Abgrund zu fallen aber ich sehe die positiven Seiten. Ich weiß jetzt, was ich will, was ich will und was eben auf gar keinen Fall geht. Und auch wenn ich ein paar Limits habe, die mit der Zeit und viel Gefühl verschwinden werden, weiß ich doch, dass mich meine Naivität damals in diese Situation gebracht hat.

Jetzt könnte man behaupten, dass er ein furchtbarer Dom ist aber dem will ich wiedersprechen. Es gibt sicher irgendwo auf diesem Planeten die perfekte Sub für ihn aber ich war es nicht. Ich rechne es übrigens jedem dominanten Mann sehr an, dass er sich meiner annimmt. Möchte man es böse Ausdrücken, bin ich doch nur B-Ware mit jeder Menge Macken und unerwünschten Verhalten.

4 Kommentare zu „Meine Erfahrung mit TPE

  1. Die perfekte Sub? wenn ich das lese sträubt sich mir das Fell.
    Es gibt auf diesem Planeten hoffentlich niemanden der „perfekt“ also ohne Makel ist. Dieses wäre in meinen Augen unmenschlich und genau diese Perfektion läßt die Sub dann am Ende langweilig erscheinen und der Auslöser sein sich neu zu orientieren.
    Ecken und Kanten gehören zu jedem und grade das erhöht ja die Herausforderung sich dieser Anzunehmen und zu formen.

    Und vor allen anderen Dingen, niemand ist B Ware. Versachlichung der Menschlichkeit mag manchmal Mittel zum Zweck sein, aber ein Mensch ist eben kein Ding. Auch in der TPE nicht, welche aber für mich auch zu oft als Deckmäntelchen für die dömliche Art zu sein, es sich einfach zu machen. Denn dann muss man sich nicht mit den Handlungen anderer auseinandersetzen.

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  2. Eure Beziehung war nun doch sehr speziell. Es wäre interessant mehr darüber zu erfahren, wie du es empfunden hast und was du rückblickend nicht gewollt hättest.
    Dass sich Menschen in geordneten Tagesabläufen sehr wohl fühlen können ist an sich nichts aussergewöhnliches und trotzdem ist die Konsequenz mit der du und ein Partner es gelebt haben ein Extrembeispiel.

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  3. Hm, jeder sollte weiterhin seine Persönlichkeit beibehalten dürfen.Es gibt schließlich imner ein Leben nach dem Spiel.
    Du hadt aber meinen volken Respekt,das du es trotzdem geschaft hast,wieder an die Oberfläche zu kommen.

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  4. Im Grunde genommen wenn wir ganz ehrlich sind, wollen wir doch keine perfekten, sondern eben Macken und Kanten und Ecken zum dran stoßen.
    Denn perfekt wäre doch langweilig

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