Freiheit mit Hinternissen

Nach meiner letzten Trennung vor ca. einem halben Jahr habe ich mir oder weniger beschlossen, dass dieses monogame, von der Gesellschaft als Idealbild angesehene, Leben (zur Zeit?) einfach nichts für mich ist. Man könnte mir jetzt unterstellen, dass ich meine Jugend oder eher meine Teenagerzeit nachhole, weil ich da doch eher brav war, wenn man mal von der ein oder anderen Alkoholeskapade absieht. Meinen ersten Freund hatte ich mit 18, das erste Mal Sex mit 17 und das war keine Erfahrung, die ich unbedingt wiederholen wollte aber vermutlich gilt auch hier: Übung macht den Meister.

Von klein auf wurde mir eingetrichtert, du musst heiraten und Kinder bekommen. So und nicht anders muss das sein, während sämtliche Ehen in meinem Umfeld zerbrachen aber es gibt sie. Die ganz große Liebe und bei mir würde es garantiert so sein. Tja, bis jetzt war es das nicht. Wobei, das ist nicht richtig. Ich habe geliebt. Intensiv und wunderschön aber wie würden, es andere sagen? Es war eben nicht der richtige Deckel für mich. Aber will ich überhaupt einen Deckel, der mich verschließt? Zur Zeit definitiv nicht. Ich lasse Menschen zur Zeit nicht besonders nah an mich ran, jedenfalls emotional.

Auf der anderen Seite, habe ich in den letzten 5 Monaten mehr Sexualpartner gehabt, als mein komplettes Leben davor. Zugegeben, das ist auch nicht schwer gewesen. Ich war Single und plötzlich fühlte ich mich begehrt, wurde angeflirtet und nahm die ein oder andere Gelegenheit wahr. Und trotzdem ist da immer ein kleines Stimmchen in meinem Hinterkopf, das mir sagt, dass ich eine Schlampe bin. Der Versuch mich damit zu beruhigen, dass mein Verhalten ja so wahnsinnig emanzipiert ist, scheitert oft. Ich fühle mich hin und hergerissen zwischen Tradition und dem Ausleben von Sehnsüchten und das steht mir oft im Weg.

Ich frage mich, ob ich nicht in 30 Jahren allein dastehen werde und das macht mir eine riesige Angst. Ich habe den Spaß meines Lebens und trotzdem ist da immer dieser kleine dunkle Schatten, der mir sagt, dass alles was ich tue so unglaublich falsch ist.

Auf dem Dorf muss ich sehr auf meinen Ruf achten. Nicht wegen mir. Eher wegen meiner Familie. Denn hier gilt, wenn einer etwas „falsch“ macht, ist immer die Familie schuld. Also übe ich mich in Diskretion, versuche mich anzupassen und fahre für Dates stundenlang durch die Gegend. Nicht wirklich praktisch aber es geht eben nicht anders.

Und so sehr ich den Sex, die Männer, die Aufmerksamkeit und meine Freiheit genieße, frage ich mich doch, wo ich meine Grenzen ziehen muss. Welche Grenzen kann ich einreißen oder einreißen lassen und was wird die Zukunft bringen. Was, wenn ich irgendwann alles bereue, obwohl es mir im Moment so gut tut? Und wie soll ich einen Mann in mein Herz lassen oder besser er mich in seines, wenn er doch nicht der einzige sein wird? Natürlich sind mir all die Möglichkeiten bekannt. Offene Beziehungen, Polyamorie usw. Aber ich frage mich, kommt da nicht immer wenigstens ein Beteiligter zu kurz? Käme ich wirklich damit klar, wenn mein Partner mit einer anderen Frau Sex hat? Oder sie sogar liebt? Und natürlich ist mir klar, dass das auch in einer vermeintlich perfekten monogamen Ehe vorkommt und dann eben nicht darüber gesprochen wird aber kann Schweigen nicht auch ein Segen sein?

Ich versuche gerade all das für mich zu ordnen und mir darüber klar zu werden, was ich wirklich will und bis dahin genieße ich einfach die Ficks, meinen Herrn und S. als Kuschelpartner.

Ein Kommentar zu „Freiheit mit Hinternissen

  1. Du fragst dich, ob es falsch sei dein Leben zu geniessen? Du selbst fühlst dich nur schlecht, wenn du an die Gedanken und Gespräche der anderen Leute denkst. Das ist verständlich, aber andererseits spielst du in deren Leben keine grosse Rolle und deswegen kann es dir relativ egal sein was sie denken.
    Als Dorfkind kann ich dir übrigens versichern, dass sich der ganze Aufwand den du betreibst nicht lohnt. Ich habe die ländliche Bigotterie gerne hinter mir gelasssen 😉.

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