„Willst du mitkommen?“

Ich freue mich auf einen schönen Abend mit Netflix und einem Glas Wein. Dann ertönt, der Signalton von S. Nur wenige Menschen haben die Ehre einen eigenen Ton zu bekommen, so auch er. „Kannst du mir kurz helfen?“ So wirklich motivivert bin ich nicht aber ihm würde ich immer helfen. Ich hoffte nur, es wäre nichts zu aufwändiges. Also aufgestanden und ab in die obere Etage.

„Was…“ mir bleiben die Worte im Hals stecken, weil er im Anzug vor mir steht. Nicht, dass ich ihn noch nie darin gesehen hätte aber ich hatte es gerade nicht erwartet. Ich komme mir ein bisschen lächerlich und klein neben ihm vor. Eine Leggings mit Pinguinen drauf und ein einfacher schwarzer Pulli sind halt doch eher der Gegensatz zu dem, was ich jetzt vor mir sehe. Ich besinne mich schnell.

„Du siehst wie einer der Men in Black aus.“

Und wieder mal wandert seine Augenbraue skeptisch nach oben. „Ach ja, welcher denn?“

„Der Mops!“ Er hätte mit dieser Antwort rechnen können, ärgere ich ihn doch einfach zu gern.

„Dann hast du aber komische Vorlieben, so wie du mich eben angeguckt hast. Kannst du mir vielleicht mit meiner Krawatte helfen? Ich kann es selbst aber dein Knoten sieht einfach besser aus.“

Gesagt getan und während ich an seinem Hals herumfummle und versuche das störische Teil Stoff zu bändigen und mein Kopfkino zu beruhigen, fragt er mich, was ich für heute Abend geplant habe und ob ich nicht mitkommen möchte und deutet auf die Couch, wo sein „Werkzeugkoffer“ in Form einer schlichten schwarzen Reisetasche steht. Chaos im Kopf. Was soll das denn jetzt heißen? Wir hatten doch eine Vereinbahrung.

„Hey, hey, hey. Beruhig dich! Ich spiele nicht mit dir und das weißt du auch aber ich weiß auch, dass du neugierig bist und dein Herr auf solche Veranstaltungen nicht wirklich steht. Ich dachte vielleicht, willst du dir das ganze mal angucken. Und du brauchst keine Angst haben. Ich pass doch auf dich auf.“

Das mag alles stimmen aber die Situation überfordert mich doch. „Ich hab nichts anzuziehen! Und noch überall blaue Flecken und ich kann da doch nicht ohne Halsband auftauchen!“

„Du hast gefühlt 20 perfekt passende Kleider in deinem Schrank. Damit wäre die Ausrede vom Tisch und wer sagt, dass man deine blaue Flecken sieht? Du musst nicht gleich nackt herumlaufen. Und ich kann dir ein Halsband leihen. Och, guck nicht so. Nur als Zeichen, dass ich auf dich aufpasse, Kleines.“

Und auch wenn es mich mehr als reizt, muss ich trotzdem morgen früh aufstehen. Ich lehne das Angebot ab und schiebe ihn mehr oder weniger zur Tür raus. Und jetzt sitze ich hier, warte darauf, dass die Plätzchen im Ofen fertig werden, die ich zur Ablenkung backe und verfluche mich wieder mal selbst. Ich bin so verdammt neugierig, darauf wie so eine Party abläuft und auch wie S. wohl mit seiner Sub umgeht aber ich fühle mich nicht bereit dafür. Ich kann zwar noch schwimmen aber ich befürchte doch, dass das kalte Wasser mich zu sehr schocken würde.

Was würde mich erwarten? Wie läuft das alles ab und überhaupt? Ist das vielleicht etwas für mich? Oder ganz und gar nicht? So ganz habe ich meine Scham wohl noch nicht abgelegt und es wird wohl noch etwas dauern bis ich das Kopfkino durch reale Erlebnisse ersetze aber der Tag wird kommen und bis dahin werde ich wohl einfach S. ausfragen und mit tausenden Fragen nerven… Mein Kopfkino überschlägt sich und ich frage mich, ob ich nicht doch… Irgendwie hatte ich mir meinen Abend dann doch anders vorgestellt.

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