„Geh…bitte“

Es war ein Fehler zu S. nach der Arbeit zu gehen aber ich hatte ihn versprochen zu kochen und Versprechen halte ich, schließlich war er dafür extra einkaufen. So schloss ich die Tür zu seinem Reich auf, in dem ich in letzter Zeit Dauergast war. Die Arbeit war der Horror gewesen. Sexistische Aussagen vom Chef, Mitarbeiter, die nicht machten, was sie sollten, ein Streit und ein unlösbares Problem lagen hinter mir und in mir war jede Menge Wut und Frust. Nicht die besten Voraussetzung für einen entspannten Abend.

Ich kickte mir die Schuhe von den Füßen und warf Mantel und Tasche einfach in die Ecke. Mir wohl bewusst, dass S. das gar nicht gut fand, war er doch ein kleiner Ordnungsfanatiker. Er kommentierte das nicht. Saß weiter gemütlich auf dem Sofa, ein Glas Wein in der Hand und schaute irgendeine Sitcom für die ich wohl zu jung bin, um sie wirklich zu kennen. Ich begab mich ein paar Meter weiter in die offene Küche, schälte Kartoffeln und Zwiebeln und begann mit den Vorbereitungen für das Essen. Und er? Er saß da und lachte sich über einen dämlichen Witz den Arsch ab.

„Du könntest mir ruhig mal helfen.“,blaffte ich ihn an. Er trank das Glas mit einem Zug aus, schaltete den Fernseher aus und begann mir mit dem Gemüse zu helfen. Wortlos. Irgendwas lag in der Luft aber in dem Moment war es mir egal. Ich wollte einfach nur schnell fertig werden, essen und dann ab ins Bett. Decke über den Kopf und den Tag vergessen. Das Gemüse landete schließlich im Wok und ich öffnete den Schrank mit den Gewürzen.

„Curry?“ Ein Wort, eine Foderung. Kein Bitte. Ich brauchte eben einfach nur dieses Gewürz und da waren mir Höflichkeitsfloskeln im Moment egal.

„Hab ich nicht.“

„Wer hat denn bitte kein Currygewürz im Haus?!“ Und wieder keine ganz nette Frage von mir, während ich im Kühlschrank auf die Suche nach dem Ingwer ging, der mit auf seiner Einkaufsliste gestanden hatte. Doch ich konnte ihn natürlich nicht finden und so war meine nächste Reaktion wieder mal nicht nett.

Mit wenigen Schritten war er bei mir, knallte den Kühlschrank zu. Seine Arme links und rechts von mir am Kühlschrank. Ich wirbelte herum. „Was soll der Scheiß?“

Er stand dicht vor mir. Seine Körpersprache hatte sich komplett verändert. So hatte ich ihn noch nie erlebt. Er taxierte mich wie Beute und ich schwankte zwischen Fluchtreflex und einfach abwarten. Ich wusste, ich war unfair und hatte alles an ihm ausgelassen aber bisher hatte es ihn nie gestört. Wir waren schon öfter der Blitzableiter für den anderen gewesen und nie führte es zu einer Situation wie dieser.

„Jetzt pass mal gut auf, Fräulein. Du überspannst heute den Bogen ganz schön. Nicht nur, dass du mich heute morgen 2 Stunden zu früh geweckt hast, nein, du meckerst schon die ganze Zeit. Du missachtest Sachen die mir wichtig sind und meinst, mir Befehle geben zu können.“

Hatte ich ihm vorher noch kampfeslustig in die Augen geblickt, fand ich plötzlich den Dielenboden sehr interessant. Er hatte ja Recht. Ich hatte übertrieben und es tat mir leid.

„Du guckst mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede.“ Dabei hob er erstaunlich sanft mein Kinn an und zwang mir seinen Blick auf. Etwas war anders als sonst. Er holte mich öfter auf den Boden der Tatsachen zurück aber niemals so. Mir war als müsste ich den Atem anhalten.

„Ich weiß, du bis schwierig und manchmal tickst du aus aber ich erwarte nicht viel von dir, außer ein Fünkchen Respekt. Wärst du meine Sub, du würstest heute Nacht mit dem Teppich vorlieb nehmen müssen, also sei froh, dass es nicht so ist. Du solltest jetzt gehen, sonst vergesse ich mich und unsere Vereinbarung einfach nur Freunde zu sein und lege dich über’s Knie, bis du wieder du bist.“ Sein Tonfall, seine Haltung, alles war anders. Hier erlebte ich ihn wohl das erste Mal als Dom.

Sekundenlange Stille, während ein Kampf in mir tobte. Gehen oder bleiben? Mir war nur allzu deutlich seine Wirkung auf mich bewusst, war sie doch dieses mal stärker als je zuvor. Er ließ seine Arme sinken und gab mir so wieder etwas Freiheit zurück. Sollte ich sie nutzen?

„Geh… bitte.“, hörte ich ihn flüstern und ich ging. Meinen Kram lies ich achtlos in der Ecke liegen, hatte ich doch keinen Kopf dafür.

Und jetzt? Jetzt sitze ich auf meinem Bett. Wieder einmal völlig hin- und hergerissen. Er hat diese Wirkung auf mich und sie wohl zum ersten Mal bewusst eingesetzt. Ich verfluche mich gerade selbst, weil ich so war, wie ich eben war. Ich hatte es übertrieben und das tut mir auch leid.

In meinem Kopf geistert nun die Frage, was wäre ohne diese Vereinbarung unsere Freundschaft zu schützen und niemals miteinander zu spielen? Könnten wir glücklich werden? Aber in meinem Inneren weiß ich, dass das nicht funktionieren kann. Er will 24/7 und ich kann das nicht noch einmal. Man könnte sich natürlich annähern und Kompromisse finden aber was, wenn das alles nicht genug ist? Wenn wir so unsere tiefe Freundschaft zerstören für einen misslungenen Versuch, der eigentlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist? Mich überfordert das Ganze und ich weiß nicht, wie ich mit all dem Umgehen soll. Also Sportsachen an und laufen, laufen bis mir schlecht und mein Kopf ruhig wird…

4 Kommentare zu „„Geh…bitte“

  1. Oh man…. Ich find das knistert ganz schön, auch wenn es gerade nicjt so aussieht und ihr solltet unbedingt darüber reden. Es aus der Welt schaffen und vielleicht wird es ja wunderbar mit euch.
    Ich wünsche dir das beste 😙

    Glg und fühl dich gedrückt

    Gefällt 1 Person

  2. Das was du dich fragst ist verständlich.Freundschaft ist das höchste Gut
    Bedenke es gründlich, denn Liebe ist eine andere Ebene,die auch leider all zu oft in Gewohnheit über geht

    Gefällt 3 Personen

  3. Großartiger Blog. Eben quer gelesen. Viele Gemeinsamkeiten entdeckt 😉 Und unheimlich gespannt, wie das weiter geht. Klingt sehr.. Intensiv.

    Du hast eine aufmerksame neue Begleiterin 😌
    Liebe Grüße
    Ophelia

    Gefällt 2 Personen

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