Was danach geschah…

Ich hatte nicht so schnell mit einer Reaktion gerechnet und war mir nicht sicher, ob du überhaupt etwas dazu sagen würdest aber kaum war der Post draußen in der Welt kamst du energisch auf mich zu. Ich saß auf der Kücheninsel und rührte ab und zu den Eintopf, den ich für meine fleißigen Helfer gekocht hatte.

Und dann standest du auf einmal ganz nah vor mir. Ich war angespannt, konnte ich doch nicht erkennen, was du dachtest.

„Ich weiß nicht, was du an diesem Internet findest aber fuck, das war das Schönste, was ich je gelesen habe. Wehe, du nennst dich noch einmal Dreigroschenroman. Du bist wie eine Erstausgabe eines Klassikers. Wertvoll und hin und wieder etwas kompliziert und überladen aber das bist du und dass ich das wirklich sagen muss, glaube ich nicht. Du weißt es auch so. Ich liebe dich auch, Kleines.“

Mir war bewusst, dass auch von seiner Seite mehr als freundschaftliche Gefühle im Spiel waren aber es zu hören, ist eine ganz andere Liga. Die Worte hatte ich noch nicht verarbeitet, da beugte er sich herunter und zog mich in einen Kuss, seine Hand in meinem Haare. Ganz sanft, ganz leicht und doch möchte ich behaupten, dass es der intensivste Kuss meines Lebens war.

Im Hintergrund hörte ich nur ein Klirren, was mich aus diesem Rausch herauszog. Meine Schwester stand da, die Kaffeetasse lag in Einzelteilen auf dem Boden und sie murmelte nur ein: „Was zur Hölle?!“

Sie war glücklicherweise auf dem Sprung zur Arbeit und so werde ich ihr wohl später erklären müssen, was sie da gesehen hat. Auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie ich ihr die ganze Sache verkaufen soll…

Kurz darauf waren wir allein. Der Eintopf landete in der Tonne. Irgendwas oder besser jemand hatte mich dann doch zu sehr abgelenkt. Wir saßen auf meiner Couch, die endlich ihren Bestimmungsort gefunden hatte und ich durfte mich endlich wieder an ihn ankuscheln. Etwas, was mir mehr gefehlt hatte, als ich zugeben will. Wir redeten nicht und mir war auch gar nicht nach reden. Seine Nähe reichte mir in dem Moment völlig.

Irgendwann wollte er gehen. Ich stand auf und ging in Richtung Tür aber so weit kam ich gar nicht. Er stand nah hinter mir und nahm mich in den Schwitzkasten, was für ein unsexy Ausdruck, für das was er in mir auslöste. Drückte mir ganz leicht die Luft ab, während seine Hand in meine Jogginghose wanderte. Spätestens jetzt war mein Denken, meine Rationalität komplett abgeschaltet. DAS lief schon unzählige Male in meinem Kopfkino ab und jetzt geschah es. Was passierte, kann sich der geneigte Leser durchaus denken. Ich spürte seine Erregung deutlich und ich ließ los. Und auch das, so harmlos es erscheinen mag, war wieder ein Feuerwerk der Gefühle. Als ich gekommen war, wirbelte ich herum und küsste ihn einfach. Es war wie ein Reflex. Nicht zart oder sanft, sondern heftig und fast schon brutal. So kenne ich mich gar nicht. Selbst wenn ich gewollt hätte, ich hätte es nicht verhindern können. Dann sank ich vor ihm auf die Knie. Ich wollte seine Hose öffnen und eine weitere Szene meines Kopfkinos wahr werden lassen.

„Oh nein! Du stehst jetzt sofort wieder auf.“ Verwirrt tat ich es und fand mich an seiner Brust gelehnt wieder.

„Ich wollte nur einmal hören, wie du kommst und du klingst unglaublich heiß. Ich gehe jetzt. Wir sehen uns Morgen bei mir, Kleines.“ Und er ging. Und bei ihm stört mich diese Titulierung, gegen die ich mich sonst immer streube, kein Bisschen.

Ich stand noch minutenlang so da. War das wirklich eben alles passiert? War es vernünftig? Ganz bestimmt nicht. Bereue ich es? Auf keinen Fall. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass er mich die letzten Tage absichtlich so zappeln ließ. Ich weiß nicht, was dieser Test bezwecken sollte und ob ich bestanden habe aber wir werden das nachher klären und dieses Mal werde ich mich nicht ablenken lassen.

Ich habe den Apfel im Paradies angeleckt und ich will davon kosten aber nicht um jeden Preis. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt aber dieser Abend wird mir definitiv im Gedächtnis bleiben. Die unangenehme Spannung ist raus und wurde durch eine postive ersetzt und jetzt bin ich einfach nur gespannt wie es weitergeht. Man könnte jetzt natürlich sagen, ich widerspreche mir selbst und bin inkonsequent und scheiße ja, das bin ich. Aber ich fühle mich so wohl dabei, dass es einfach nicht falsch sein kann.

Ich würde sagen, die Wohnung wurde gestern schon vielversprechend eingeweiht.

4 Kommentare zu „Was danach geschah…

  1. Okay das klingt sogar noch besser 😀 freut mich riesig – das ist natürlich das beste, was passieren konnte. So wie ich gestern geschrieben habe: wenn es doch anders kommen sollte, habt ihr euch beide dafür entschieden obwohl euch bewusst ist, was das heißt. Du hast mit offenen Karten gespielt und er hat es gelesen. Und hat SO reagiert. Hallo? 😌 hätte nicht besser kommen können. Der Beitrag gestern war wohl das beste, was du hättest tun können.
    Bin sehr gespannt wie es weiter geht. 🙂

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