Befehlsverweigerung

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, lag ich gestern mehr oder weniger mit Migräne flach. Ich habe mich so durch die Arbeitszeit gequält und habe viel zu viel Schmerzmittel genommen. Normalerweise liege ich immer flach, wenn ich damit zu kämpfen habe aber ich wurde so erzogen, dass die Arbeit vorgeht und krank sein, und sei es nur für einen Tag, ist im Dezember einfach keine Option.

Nach der Arbeit fuhr S. mich nach Hause. Stillschweigend. Jedes Wort fühlte sich einfach so an, als würde mein Schädel mit einem Hammer bearbeitet. Er zog die Jalousien zu und machte mir die Couch fertig.

„Was hast du heute gegessen?“, fragte er mit einer weiteren Schmerztablette in der Hand. Da noch ganz im bester Freund Modus.

Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich außer einer Banane noch nicht gegessen hatte. Und ja, der Drang zu flunkern war da aber das widersprach unseren Codex, wie wir ihn nennen. Nur geht es in diesem eben nicht darum wie in einer bekannten Serie, wann jemand getötet werden darf, sondern um unser neues Zusammensein. Und Regel Nummer eins lautet eben: Auf Fragen antworten sowohl er, als auch ich immer wahrheitsgemäß.

Er legte die Tablette in Sicht- aber außerhalb meiner Reichweite auf den Tisch und wurde ernst. „Das geht so nicht. Wie viele IBUs hattest du heute? Acht? Die bekommst du erst, wenn du was gegessen hast.“ Natürlich protestierte ich. Mir war nach vielem aber nicht nach Essen.

Ich bemerkte sofort, wie sich seine Haltung und sein Ausdruck änderte. Er war jetzt nicht mehr der beste Freund, sondern der Mann, der mich dominierte. „Es ist mir gerade egal, dass wir bei dir sind. Ich koche dir jetzt was und du wirst es essen. Da dulde ich keine Widerrede.“

Ich hörte ihn in der Küche hantieren und mir ist durchaus bewusst, dass er nur mein bestes will aber in diesem Moment kam ich mir wie ein Kleinkind vor. Und wenn ich eines hasse, dann das. Es ist nicht so, dass mich ein Tag ohne Essen umbringen würde, vermutlich habe ich genug Reserven für mehrere Wochen aber mich zum Essen zwingen zu wollen, egal aus welchen Beweggrund? No way. Und schon gar nicht so.

Vermutlich ist es für einen Dom auch nicht leicht. Dieser switch zwischen hier – guter Freund und was sich die Sub wünscht und bei ihm als Dom. Wir sind noch am Anfang und grooven uns ein.

Das Essen, was er mir dann präsentierte, und ich zücke schonmal mein Strafbuch und notiere mir 5 Punkte, war nett ausgedrückt sehr schwierig zu genießen. Man glaubt es kaum aber dieser Mann schafft es, dass Nudeln mit Kräutern und Ei eher gewöhnungsbedürftig schmecken. So ein bisschen frage ich mich ja, wie es S. geschafft hat, so lange zu überleben. Aber ich nahm schließlich ein paar Bissen und schob dann den Teller zu ihm und sein Blick war unbezahlbar. Aber ich hatte etwas gegessen und die heiß begehrte Tablette bekommen.

Komischerweise hat es mich nicht gestört, als er mir gegen 23 Uhr das Handy abnahm, mich nochmal zudeckte und dann mein Hochbett in Beschlag nahm. Er wusste einfach, dass ich Ruhe brauche und in dem Punkt oft auch unvernüftig bin. Warum mich das nicht stört? Ich habe keine Ahnung aber das wird auch keine Gewohnheit werden. In seiner Wohnung nimmt er es mir ab und gibt es mir, wann er will. Natürlich sind wichtige Anrufe und ähnliches davon ausgenommen und ja, ich genieße diese Zeit ohne Smartphone.

Es ist ein Zwiespalt in mir. Auf der einen Seite genieße ich dieses „sich um mich kümmern“ total und auf der anderen Seite möchte ich aufspringen, was mit Migräne keine gute Idee ist, und ihn anschreien, dass ich kein kleines Kind bin und wenn ich Hunger haben sollte, durchaus selbst in der Lage bin, mich am Kühlschrank zu bedienen. Auf der anderen Seite machte es mir gar nichts aus, dass dieser Befehl in meinem Reich kam, wo es eigentlich keine Befehle gibt. Vielleicht müssen wir dieses Arrangement noch einmal überdenken.

Ich will nicht bemuttert werden, ich will geführt werden und das kann er wirklich sehr, sehr gut. Wir haben heute lange darüber geredet und er wird versuchen, das zurückzufahren aber er ist eben ein Kümmerer. Ich hingegen arbeite daran, dass ich dieses kümmern eben durchaus auch von ihm zulassen kann, auch wenn ich mich eher in dieser Rolle sehe. Aber wir entwickeln uns und täglich passiert so viel. Nicht unbedingt körperlich, sondern auf emotionaler Ebene. Ja, es ist auch Arbeit und manchmal auch nicht ganz einfach aber das gehört dazu.

Vor jemanden zu knien, ist in der Realität eben doch etwas anderes, als im Kopfkino und hin und wieder lachen wir auch in Situationen, in denen es nach dem goldenen Buch nicht angebracht wäre. Wir finden schon unseren Weg, auch wenn er mich wohl hin und wieder schubsen werden muss.

 

3 Kommentare zu „Befehlsverweigerung

  1. Hach! Der Mann hat beste Anlagen für einen Dom (finde ich). Schätzchen, bitte diskutiere ihm doch nicht aus, was zu den wundervollen Dom-Eigenschaften gehört. Vielmehr wäre das eine gute Übung, dich mal fallen und von ihm lenken zu lassen. Darum geht es letztendlich, oder nicht?

    Gefällt 3 Personen

    1. Ich möchte ihm ja gar nichts ausreden aber gerade was das Essen angeht, möchte ich dann doch schon noch selbst bestimmen. Besonders, wenn ich eben meinen Körper so gut kenne und weiß, dass ich eben nichts essen kann. Ansonsten genieße ich das voll und ganz. Und ja, er ist ein wundervoller Dom. 🙂

      Gefällt 3 Personen

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