„Und in einem Jahr?“

Für alle geneigten Leser, die nur an meinen sexuellen Eskapaden interessiert sind, dieser Post dürfte für euch sehr, sehr langweilig sein. Der nächste ist bestimmt wieder interessanter aber das hier ist nur ein kläglicher Versuch meine Gefühlswelt zu ordnen und zu verstehen.

„Wo siehst du dich denn in einem Jahr?“, man sollte meinen eine harmlose Frage und vor S. hätte ich sie sofort beantworten können. Nicht hier, sondern wieder in meiner Herzensstadt, die mir 6 Jahre lang mehr Heimat war, als das Kaff, aus dem ich stamme, jemals sein könnte.

Und jetzt? Tja, im Prinzip habe ich alles. S., was ich mir niemals erträumt hätte und doch ist er jetzt ein sehr großer Teil meines Lebens. Einen Herrn, der weiß wie man mit mir umgehen muss. Eine Schwester, mit der ich mich so gut verstehe wie noch nie. Der tolle Teil meiner Familie, für dich ich durchs Feuer gehen würde. Einen Job, der zwar stressig ist aber mich erfüllt. Und doch fehlt etwas. Dieses Gefühl von Heimat will sich einfach nicht einstellen. Ich bin so glücklich, wie ich es sehr lange nicht war und doch fehlt dieser Ort unglaublich. Die Atmosphäre, die Anonymität, meine Freunde, die Möglichkeiten. Es fehlt. Und für mich stand fest: wenn die Befristung meiner Stelle ausläuft, findet man mich dort wieder.

Ich kann dort frei atmen. Kein Gerede, keiner kennt einen und unendliche Möglichkeiten, die ich viel zu selten nutzte. Aber was ist mit all den positiven, mich glücklich machenden Aspekten, die ich dann verlieren würde?

Jetzt könnte man meinen, dass es immer einen Weg gibt… S. führt eine Firma und ich kann und werde nicht verlangen, dass er mit mir geht. Er liebt dieses Leben auf dem Land und kennt es auch nicht anders.

Und dann geistert wieder der Gedanke in meinem Kopf herum, dass ich den Kontakt zu S. abbrechen sollte, so lange ich noch kann. Ich verfalle ihm jeden Tag ein bisschen mehr und das ich diesen Gedanken hege, wird ihn nicht gefallen aber meine Vernunft sagt mir, es wäre besser uns vor so großen Schmerzen zu bewahren.

Ich komme mit den Menschen hier zum Großteil nicht klar. Wir werden einfach nicht miteinander warm. So war es schon immer und deshalb auch meine Flucht in die Stadt. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann die Sehnsucht zu dieser Stadt abschütteln kann und ob mir Besuche reichen.

Aber warum diese Zweifel, wenn es mir doch so gut geht? Ich sollte es genießen und mir später Sorgen darüber machen. Den Tag, den Augenblick, die Sekunden genießen und leben und mich nicht den Zweifel hingeben aber was wenn ich gehe? Bin ich dann wieder unglücklich?

Ich habe S. vor ein paar Stunden gebeten mich nach Hause zu fahren und in Ruhe zu lassen, weil ich seine Nähe nicht ertrug. Nicht weil ich sie nicht genoß, das Gegenteil war der Fall. Der Gedanke, dass er irgendwann nicht in Reichweite sein könnte, weil ich eine egoistische Entscheidung treffen könnte, hat mir einfach unfassbar Angst gemacht. Ich treffe keine Entscheidungen mehr für mich allein. Plötzlich hängen da Menschen dran, die ich verletzen könnte. Gut, das war schon früher so aber damals war es mir schlicht egal.

Vielleicht kann ich mich ja irgendwann mit dem Land anfreunden… wer weiß das schon? Und während ich das schreibe, wird mir bewusst, dass ich die Nähe von S. gerade brauche und habe ihm auch schon geschrieben. Und ohne jeden Vorwurf setzt er sich heute bereits zum 2. Mal für mich ins Auto, obwohl ich mich selber nicht verstehe oder weiß, was ich will. Wobei, ganz richtig ist das ja nicht… Ich will ihn nicht verlieren. Soviel steht fest.

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