Mein Feuerwerk

Es begann damit, dass S. mir schrieb, dass wir Silvester zu einer Party gehen würden 150km entfernt. Ich dachte mir nichts dabei, wunderte mich aber. Später kam ich wieder eine Nachricht.

„So eine ganz normale Party wird das ja morgen nicht. Jedenfalls wirst du danach nicht betrunken sein. Aber eine wirkliche Playparty ist es auch nicht. Du entscheidest, ob du morgen deine Halskette oder das Halsband trägst.“

Ich versuchte natürlich mehr herauszufinden, konnte ich mir unter einer nicht normalen – nicht Playparty nicht viel vorstellen und das half nicht bei der Entscheidung, was ich nun um den Hals tragen würde. Aber er blieb natürlich eisern. Kein Wort kam über seine Lippen.

Später am Abend eine weitere Nachricht. „Morgen 15 Uhr bei mir. Egal wie du dich entscheidest, es ist gut so, wie es sein wird. Hör auf zu denken.“

Auch das war nicht wirklich eine Hilfe, zeigte mir aber wieder mal, wie gut er mich doch kennt. Im Inneren war mir bereits klar, dass ich es riskieren würde und das erste Mal öffentlich sein wunderschönes Halsband tragen würde, auch wenn mir bei dem Gedanken daran doch etwas flau im Magen wurde. Auf Twitter kamen Vermutungen auf. Vom Kostümparty bis Gangbang war alles dabei und was soll ich sagen? Wirklich beruhigend fand ich das nicht. Ja, es sind viele Dinge in meinem Kopfkino aber für manches bin ich einfach noch nicht bereit.

Um mich abzulenken stand ich am Silvestermorgen wieder in der Küche und bereitete allerlei Köstlichkeiten zu. Meine Form der Ablenkung. Gegen 13 Uhr wurde ich von meiner Mutter zum Mittagessen abgeholt aber so wirklich viel bekam ich von der Forelle nicht herunter, war ich doch zu nervös. Glücklicherweise konnte ich das zumindest bei ihr sehr gut überspielen. Später machte ich mich auf den Weg nach oben zu S. und plötzlich wackelte meine Entscheidung, ob Halsband  oder nicht.

Die Tür öffnete sich und S. zog mich in einen tiefen, besitzergreifenden Kuss und die Zweifel waren wieder mal wie weggeblasen. Mir würde nichts passieren bei ihm. Niemals. Er schickte mich unter die Dusche und als ich ins Schlafzimmer kam, lag wie so oft ein Outfit auf seinem Bett. Scheinbar zieht er mich ganz gern an und hat dabei eine Vorliebe für viel zu kurze, enge, schwarze Kleider. Bei der roten Spitzenunterwäsche musste ich Schmunzeln. So manche Traditionen sind schon lustig. Ich zog alles an, stoppte aber bei den Halterlosen. Man würde sie ohne Zweifel komplett sehen, so kurz war dieses verdammte Kleid.

„Duhu? Kann ich vielleicht ein blickdichte Strumpfhose drunter ziehen? Es ist doch kalt draußen.“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Natürlich war es nicht wirklich kalt aber ich wollte einen Versuch riskieren.

„Du willst dich nur verstecken, Kleines.“

„Nein aber es ist wirklich kalt!“

„Ist es nicht und wir sind in gut beheizten Räumen und weil das so ist, trägst du eben außer deinem Höschen nichts drunter.“

„Aber…“ Weit kam ich nicht. Seine Hand an meinem Hals, die leicht zudrückte.

„Noch ein Wort und das Höschen bleibt auch hier. Überleg es dir gut, Kleines.“

Ich verfluchte und liebte ihn in diesem Moment zu gleichen Teilen. Ich sollte mir das Diskutierenwollen abgewöhnen. Es geht nie wirklich erfolgreich für mich aus. Das Outfit komplettierten wieder meine wunderschönen schwarzen Heels, die ich beim letzten Mal von ihm bekam. Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass ich für meine Begriffe etwas schlampig aussah. Das Kleid bedeckte gerade so meinen Po. Sitzen war an diesem Abend also keine Option. Es folgte das Make-Up. Dunkel und auffällig. Meine Haare durfte ich dieses Mal offen lassen. Er ließ mir die Möglichkeit, mich dahinter zu verstecken. Außerdem ließ es mich wilder wirken, was wohl der Hauptgrund dafür war.

„Wie hast du dich entschieden? Halsband oder Kette? Absoluter Gehorsam oder nicht?“, fragte er mich, während sein Blick mich fixierte. Ich musste schlucken, überwand mich aber schließlich doch. Es folgte ein Kuss, seine Hand in meinen Haaren vergraben und ich merkte, wie sehr er sich über meine Entscheidung freute.

„Du wirst die Entscheidung nicht bereuen, Kleines. Du weißt, dass ich niemals zu viel von dir verlangen würde. Danke, dass du mir so sehr vertraust.“

Er öffnete meine Kette, die ich erst eine Woche trug und ich fühlte mich sofort schutzlos, war sie doch bereits wie ein Teil von mir. Das kalte Leder des Halsbandes schloss sich um meinen Hals und sofort änderte sich mein Denken. Ich würde heute brav sein, die Göre in mir schlief und ich war mehr als glücklich, dass es so war.

„Deine Kette trägst du aber trotzdem.“, sagte er, während er sie mir ums Handgelenk wickelte. Nun war sie ein schönes, unauffälliges Armkettchen und trotzdem bei mir. Wieder ein Stückchen Sicherheit mehr. Heute würde ich also nicht gefesselt werden, sonst hätte es andere Stellen dafür gegeben, registrierte ich still und sollte mich dabei doch täuschen.

Irgendwann machten wir uns auf den Weg. Die Fahrt erschien mir wieder ewig. Ich vertrieb mir die Zeit mit Twitter und damit ihn immer wieder von der Seite anzuschauen, nachdem er mir ein Sprechverbot erteilte, weil ich immer wieder versuchte etwas zu erfahren. Anzug, schwarzes Hemd, keine Krawatte. Viel fehlte nicht und ich hätte gesabbert. Der Kontrast zwischen uns könnte optisch nicht größer sein. Er, die Eleganz in Person und ich, die Schlampe, die auf ihrem fast nackten Arsch saß, weil das Kleid wohl eher als Tshirt durchgehen würde.

Er fuhr durch den Wald. Irgendwo im Nirgendwo. Die letzte Stadt hatten wir schon ein paar Minuten hinter uns gelassen. Irgendwann tauchte ein großes Haus auf. Nicht protzig aber man sah durchaus, dass dort eine Menge Geld darin steckt. In Gedanken versunken, merkte ich nicht, dass S. mich ansprach. Seine Hand fasste mein Kinn und drehte meinen Kopf zu sich.

„Du kennst dein Safeword. Wenn es fällt, gehen wir. Ich bin dir dann auch in keiner Weise böse. Du musst mir nichts beweisen. Ich will, dass du du Abend genießt. Da du dich für das Halsband entschieden hast, erwarte ich Gehorsam. Du siehst ja, es sind 2 Gebäude. In dem einen findet einen ganz normale Party statt, nur dass eben alle kinky sind. Es wird nicht gespielt aber vielleicht siehst du das ein oder andere. Im anderen Gebäude dagegen wird gespielt. Du weißt, ich habe meine Sachen nicht dabei. Wir können uns es gern mal anschauen, dort wird es auch Vorführungen geben aber das ist deine Entscheidung. Vertraust du mir?“

Ich hatte sowas vermutet. Auf einer normalen Party, würde er mich wohl kaum so kleiden. Und auch, wenn es mich überraschte, ich hatte keine Angst. Eher erfasste mich Vorfreude. Die Frage nach dem Vertrauen war eigentlich überflüssig. Würde er sagen spring, würde ich nur fragen wie hoch.

„Natürlich. Und ich werde auch brav sein. Versprochen.“ Das Zeichen für ihn, dass er heute mit keinen Eskapaden meiner inneren Göre zu rechnen hatte.

Wir betraten das Haus, wobei S. seinen Arm schützend um mich gelegt hatte. Nach seiner Ansage eben hatte ich extremeres erwartet aber was ich sah, war Abendgardarobe, mal mehr, mal weniger gewagt. Ich sah ein paar Menschen an der Leine, ein paar Halsbänder, etwas Lack und Leder aber insgesamt irgendwie sehr… harmlos. S. brachte gemeinsam mit mir die Jacken zur Gardarobe und wir betraten den ersten Raum. Jede Menge Sitzgelegenheiten, irgendwie klassisch und doch schön. Dominiert wurde der Raum von einer Bar.

An mir ging eine Herrin vorbei, während ihr Sub hinter ihr herkroch. Ich wurde unsicher. Sollte ich etwa auch? Mein zweifelnder Blick traf S., der nur belustigt den Kopf schüttelte und mir ein „so weit sind wir noch lange nicht“ ins Ohr flüsterte. Er vorsorgte uns mit alkoholfreien Getränken und nahm auf der Couch Platz.

„Wie zuhause, Kleines.“, lautete seine Ansage, während ich noch etwas verloren vor ihm stand. Und ich muss zugeben im ersten Moment kostete es mich Überwindung aber schließlich kniete ich mich dann doch mit dem Rücken zu ihm vor ihn. Seine Hand in meinem Haar und ein Kuss auf den Nacken waren meine Belohnung. Der Abend verging, S. wurde immer mal wieder auf mein Halsband angesprochen, dass ich dann präsentieren musste. Meine Angst war wie weggeblasen. Ich fühlte mich einfach wohl.

Irgendwann ließ ich S. zurück und verabschiedete mich nach draußen zum Rauchen. Und da stand ich nun in der Kälte und fror mir meinen Arsch ab und dann funktionierte das blöde Feuerzeug nicht. Neben mir stand nur eine Frau. Ich schätze sie so auf die Enddreißiger und sehr hübsch. Fast schon einschüchternd hübsch. Sie war anscheinend als Herrin anwesend und in meinem Kopf ratterte es. Wie sollte ich sie um Feuer fragen? Du oder Sie und überhaupt wie? Sie muss meinen Zwiespalt gesehen haben, denn plötzlich hielt sie mir das Feuer vor die Nase.

„Dein erstes Mal? Du wirkst gerade ein bisschen wie ein verschüchtertes, süßes Rehkitz. Ich bin übrigens Marie.“

Ich nannte ihr meinen Namen. „Ist es so offensichtlich?“

„Naja du warst noch nicht im Spielbereich, oder? Du wirkst ein bisschen verschüchtert. Keine Angst, ich beiße nicht. Bist du mit jemanden hier?“

Und aus einer Zigarette wurden 4, weil wir uns einfach verquatscht hatten. Irgendwann tauchte plötzlich S. vor mir auf.

„Ach, hier steckst du, Kleines. Eine rauchen geht aber schneller.“

Ich entschuldigte mich bei S., danach stellten sich die 2 einander vor. Sie erzählte von einer Vorführung, die gegen 22 Uhr starten sollte und ob wir die uns nicht ansehen wollten, lobte mein Halsband und unterhielt sich nun auch angeregt mit S., der beteuerte, dass es meine Entscheidung wäre, ob ich mich heute schon in die Playarea und sei es nur zum Gucken, trauen würde.

Ich fühlte mich herausgefordert und teilte mit, dass ich zumindest gern mal alles sehen würde.

Und kurz darauf stand ich da, während auf der Bühne ein junger Mann die Peitsche zu spüren bekam und war fasziniert und nicht nur das. Ich wollte auch. Nicht so öffentlich zwar aber der Wunsch war plötzlich da. Etwas was am Beginn des Abends für mich unvorstellbar gewesen wäre. Und so zog ich S. weg von den Menschen, die dort versammelt standen und redete mit ihm offen über meine Wünsche. Sein Funkeln in den Augen verriet mir, dass ihm das Gehörte gefiel und so nahm er mein Haar und zog mich daran durch den Raum. Mit den Heels war mehr als ein Stolpern nicht möglich. Und es gefiel mir, auch oder gerade weil es der Ein oder Andere mitbekam.

Im hinteren Bereich gab es durch Vorhänge abtrennte Separees. Die Meisten waren belegt. Er zog mich in eines davon, weil man daraus keine Geräusche hörte und plötzlich stand Marie vor uns.

„Ach, doch so mutig deine Kleine? Gebt mir eine Minute. Ich mach meine Sklavin eben los und dann verschwinden wir.“ Ein Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht und ihr Blick fixierte mich. „Außer natürlich ihr wollt, dass wir bleiben.“

Sie löste die Fesseln der Frau auf dem Strafbock, die eben noch ihr rotes Hinterteil präsentiert hatte. Währendessen traf mich der Blick von S. und ich weiß nicht, was mich in diesem Moment ritt aber ich nickte. Ich wollte, dass die Beiden blieben.

Und so kniete ich mich auf den Strafbock, wurde von S. fixiert und kurz darauf schob er mir schon mein Kleid nach oben. Ich hatte darum gebeten meinen Slip anbehalten zu dürfen. Für mehr fühlte ich mich noch nicht bereit. Kurz darauf spürte ich den ersten Schlag mit seiner Hand. Nicht wirklich fest aber doch gut spürbar. Und nicht nur diesen fühlte ich auf meiner Haut. Auch die Blicke der 2 Frauen. Er steigerte die Intensität der Schläge und fuhr mit seinen Fingern über meine bedeckte Mitte, die meine Gefühle wohl sehr offensichtlich preisgab. Ich hörte das dreckige Lachen, dass ich so liebe.

„Willst du mehr?“ Mehr als Nicken konnte ich in diesem Moment nicht.  Ich hörte, dass ein Gürtel geöffnet wurde und wusste nur zu gut, was folgen sollte. Ich liebe den Gürtel!

Und so traf mich immer wieder das kalte Leder und ich war wie berauscht. Dazwischen strichen immer mal wieder seine Finger über meine geschundene Haut.

„Was hälst du denn davon, wenn die gute Marie dir zum Abschluss noch ein paar Klapse gibt? So als Belohnung, dass du heute so ein braves Mädchen bist.“ Ah, diesen Punkt auf meiner Kopfkinoliste sollte heute also auch abgearbeitet werden und ich war mehr als bereit dazu.

Es war intensiv. Eine Frau schlägt eindeutig anders als ein Mann. Gut, mir fehlen die Vergleichmöglichkeiten aber heiß war es auf jeden Fall. Nach ein paar relativ harten Schlägen befreite mich S. vom Bock und wies mich an, mich bei Marie zu bedanken. Ich nuschelte ein „vielen Dank, Marie“ hervor, wusste ich doch nicht, was von mir erwartet wurde. Sie lachte und zog mich in einen Kuss.

„Pass gut auf dein Prachtstück auf, mein Lieber. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Scheint ihr ja ganz gut zu gefallen die Veranstaltung.“ Und mit diesen Worten waren die Beiden auch schon verschwunden.

Mittlerweile war es kurz vor Mitternacht. S. orderte ein Glas Sekt und für mich einen schönen Cocktail, den ich mir, wie er sagte, heute mehr als verdient hätte. Mitternacht stießen wir an und waren wie jedes andere kitschige Paar auf diesen Planeten, auch wenn die Location wohl nicht ganz so normal war. S. holte aus seinem Auto eine einzelne Rakete, die er extra für mich eingpackt hatte.

Wir tranken in Ruhe aus, S. verabschiedete sich noch von ein paar Gesprächspartnern und so verließen wir gegen 1:30 Uhr das Haus. Danach hatten wir Sex im Auto, den ich auch wirklich, wirklich nötig hatte. Ich glaube, so feucht war selten eins meiner Höschen durch so wenig Action.

Auf der Rückfahrt redeten wir über das Erlebte.

„Weißt du eigentlich, wie stolz du mich heute gemacht hast? Du hattest keine Ahnung, was auf dich zukommt und hast dich trotzdem für das Halsband entschieden. Und auch dort hast du dich einfach vorbildlich verhalten. Ich glaube, das sollten wir öfter machen. Du strahlst gerade wie ein Honigkuchenpferd auf LSD, meine Kleine.“, dabei legte er seine Hand auf meinen Oberschenkel.

Und er hatte recht. Es hatte mir gefallen. Mehr als das. Ich habe Blut geleckt. Natürlich mag das alles für euch alte Hasen lächerlich wirken. Das kleine Bisschen aber für mich war es ein riesiger Schritt, den ich nicht bereue. Es war die beste Silvesternacht meines Lebens. Scheiß auf das Feuerwerk da draußen, ich hatte meines auf dem Strafbock und wenn ich mir so ausmale, was da noch alles kommen könnte, wird dieses Jahr wohl sehr, sehr spannend. Nicht nur wegen S., auch wegen ein paar anderen Dingen aber das ist eine andere Geschichte… vielleicht.

Hatte ich Tage vorher Angst vor diesem Tag gehabt, weil ich nicht sicher war, wie emotional Silvester für mich werden würde, das erste mal nicht in meiner Herzenstadt zu sein aber es hätte nicht schöner sein können.

2 Kommentare zu „Mein Feuerwerk

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