Die Sache mit S.

Ich weiß, mein Leben ist zur Zeit für viele wohl verwirrend. Gerade die Sache mit S. und meiner neuen Beziehung bekommen wohl einige nicht unter einen Hut. Ich werde mal versuchen, etwas Klarheit zu schaffen.

Wie ihr wisst, ist S. mein wohl älterester Freund mit dem ich auch einige Zeit das Bett geteilt habe. Wir lieben uns aber eben auf einer eher freundschaftlichen Basis und so war auch von Anfang an klar, sollte bei einem von uns die Liebe anklopfen, würden wir unseres Arragement lösen und zur „einfachen“ Freundschaft zurückkehren. Und so geschah es aus, früher als erwartet aber wer kann sowas schon planen? In der Öffentlichkeit traten wir allerdings als Paar auf. Zum Einen weil ich dadurch den ständigen Verkupplungsversuchen meiner Mutter entging, zum anderen war es einfach für die Außenwirkung besser, wenn er eine Frau an seiner Seite präsentieren konnte. Das mag berechnend sein aber ich sehe darin nichts verwerfliches, so lang alle Beteiligten wissen, woran sie sind.

S. wusste bereits vor dem Wochenende mit J., dass sich da etwas entwickelt hatte und so ließ er mir die Wahl, ob ich seine Kette tragen würde oder eben nicht. Ich entschied mich dagegen. Ich wollte und musste herausfinden, was das zwischen J. und mir ist und die Kette eines anderen Mannes hätte das vielleicht erschwert.

Nach dem Wochenende hatte ich Klarheit und was für eine. Ich bin J. verfallen, mit Haut und Haaren, Seele und Herz. Er ließ es mir offen, ob ich dass zwischen mir und S. weiterlaufen lassen wollte aber es wäre keinem Beteiligten gegenüber fair gewesen, hätte S. mit mir gespielt und meine Gedanken und mein Herz wären bei J. gewesen. Und so stand ich kurz darauf extrem nervös, mit seiner Kette in der Hand vor seiner Tür. Ich hatte mich die 4 Tage über nicht gemeldet und ich bin mir heute sehr sicher, dass er wusste, was kommen würde und trotzdem drückte er mich gegen die Tür. Ich tauchte unter seinen Armen hindurch und stand zugegeben etwas verschüchtert vor ihm, die Hand mit der Kette ihm entgegengestreckt.

Doch statt sie zu nehmen, schloss er mit seiner Hand meine und grinste mich an. „Ich wusste, dass das so kommt. Und nein, die Kette nehme ich nicht. Sie gehört dir und vielleicht willst du sie ja ab und an tragen, ganz ohne Besitzansprüche meinerseits dir gegenüber. Das Wochenende war also gut?“

Er holte uns 2 Whiskys nahm neben mir auf der Couch Platz und wir redeten lang und ausführlich. Wobei… Ich redete und er hörte zu. Und mit jeder Minute wuchs sein Grinsen. Er freute sich wirklich aufrichtig für mich. Als ich mich verabschieden wollte, wurde ich dann doch noch in einen fast schon brutalen Kuss gezogen, mit der Begründung, dass sich das so gehöre. Und es war okay. Wir waren wieder auf dem Stand von meiner Nichtgenugliebeserklärung.

Kurz darauf begleitete er mich auf einen Familiengeburtstag. Und ja, das tat er als Partner. Ich kann noch nicht offenbaren, dass es einen neuen großartigen Mann an meiner Seite gibt. Meine Familie würde mich in Stücke reißen und so kam es wie es kommen musste und wir wurden gefragt, wann wir denn heiraten wollen würden. Ich verschluckte mich fast an meinem Stück Kuchen, während S. einsprang. „Wenn sie mit 35 noch nicht unter der Haube ist, werde ich sie höchstpersönlich an die Leine nehmen und zum Altar zerren.“ Er nannte keine Namen und meinte auch sich nicht damit aber die Familie war erstmal beruhigt. Und wenn ich so drüber nachdenke, stelle ich mir das ziemlich lustig vor, wenn ich an einer Leine zum Altar geleitet werde. Die halbe Verwandtschaft würde wohl an einem Herzinfarkt krepieren. Aber sie haben es wohl nicht so wörtlich interpretiert wie ich.

Meine Probezeit im Job wurde nicht verlängert und so besorgte mir S. ein Bewerbungsgespräch. Nichtsahnend kam ich in ein Büro eines Restaurants und wer saß mir gegenüber? Der Typ vom Pokerspiel. Und so begann mein Bewerbungsgespräch mit einem „Oh Fuck! Ernsthaft?!“ und auch wenn man es nicht glauben will, es verlief dann doch recht professionell und es wurde auch betont, dass Ben keine sexuellen Beziehungen zu Angestellten pflegt und ich mir deshalb keinen Kopf machen sollte. Das Probearbeiten verlief gut und ich habe den Job bereits angetreten und es ist eigentlich ganz angenehm. Natürlich wusch ich S. nach dem Bewerbungsgespräch den Kopf. Mir diese Tatsache zu verschweigen, war mies. Auch wenn ehrlicherweise die Gefahr bestanden hatte, dass ich mit diesem Wissen nicht hingegangen wäre. Er war einsichtig und erschien mir plötzlich sehr klein und dafür spielt er einen Monat mein Taxi. Ich finde, das ist ein guter Deal.

Was mir das alles gezeigt hat? Die Freundschaft gibt es noch. Und ist wieder so wie früher. Man weiß eben jetzt, wie der andere nackt aussieht aber mal ehrlich, was ändert das schon? Er ist mir immer noch unglaublich wichtig und ich würde für ihn durch’s Feuer gehen und er für mich aber er akzeptiert völlig, dass ich nicht mehr zu ihm gehöre. Und ich hoffe wirklich, dass seine Miss Perfect irgendwann noch durch die Tür gestolpert kommt.

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