Angst und Wut…

Es ist spät und ich sollte längst schlafen. Aber da ist sie… Die Angst vor dem erneuten Absturz und Träumen aus der Vergangenheit. Manche von euch werden es vielleicht bei Twitter mitbekommen haben aber ich habe wieder ein wundervolles Wochenende bei meinem Bären verbracht. Wundervoll bis auf eine „Kleinigkeit“.

Wir waren mitten in einer Session und meine innere Göre war in Kampfeslust und so kam es, dass mich eine unerwartete Strafe treffen sollte. Eigentlich eine harmlose Sache, wenn, ja wenn ich nicht getriggert worden wäre. Mein darausfolgendes „Auaauaaua“ war nicht Ausdruck von echtem körperlichen Schmerz. Nein, diese kleine Aktion hatte mich direkt in meine Vergangenheit katapultiert. Er dachte erst, er hätte mich körperlich verletzt, was nicht der Fall war und konnte es im ersten Moment nicht einordnen. Er nahm mich zitterndes Bündel Elend in den Arm, hielt mich und wartete ab, bis meine Dämme endlich brachen und ich weinte und wohl irgendwann auch erzählte. Das alles, weiß ich nur, weil er es mir später noch einmal erzählte, ich war in meinem Albtraum der Vergangenheit gefangen, die ich damals als gar nicht so schlimm betrachtete. Diese Momente sind verwaschen und die Vergangenheit hatte mich im Griff.

Ich möchte niemanden über seine Art des BDSMs belehren aber sprecht miteinander und informiert euch, dann bleibt euch meine Geschichte vielleicht erspart. Die Geschichte einer jungen Frau, die vermeintlich BDSM für sich entdeckt und immer tiefer in die Dunkelheit abdriftet, die glaubt, würgen bis zum Blackout ohne Absprache, ständig Verfügbarsein zu müssen und mit ungewöhnlichen Blutungen zum Frauenarzt zu gehen, wären eben normal und gehörten dazu. Das würde schon mal passieren und vorkommen. Einer Frau, die sich einen Krankenschein holt, weil jede einzelne Zelle ihres Körpers schmerzt und die Beleidigungen herunterschluckt und sich annimmt, weil sie gefallen will und weil es eben so sein muss. Schließlich unterwirft sie sich. Da gibt es doch keine Grenzen!

 

FUCK NEIN!

Ich war so dumm und naiv und habe alles mit mir machen lassen und mir dabei auch noch eingeredet, dass ich es so will und es mir ja auch irgendwie Spaß macht, einfach, weil ich gefallen wollte und verdammt Angst vor dem Alleinesein hatte. Und selbst als ich erkannte, dass es eben nicht normal ist, dass es zu weit geht und mit BDSM nichts mehr zu tun hat, habe ich nichts gesagt, mich nicht getrennt, weil ich allein gewesen wäre und wie hätte ich nutzloses Stück es denn allein schaffen sollen? Seine Worte in die Seele gebrannt. Es hat Jahre gebraucht und einige Beziehungen und Scheitern dieser bis ich erkannte, dass ich schon ganz okay bin und auch alleine klar komme. Ich wurde verlassen und brauchte lange, um wieder zu leben.

Und trotzdem sitzt dieser Stachel noch tief, obwohl es Jahre her ist.

Ich bin wütend auf mich, dass ich es zugelassen habe. All das mit mir machen lassen habe und dabei schwieg. Mir einredete, dass es mir gefällt, nur um zu gefallen. Macht das nicht. Tut euch das nicht an. Bitte.

BDSM ist so vielseitig und jeder von uns muss seinen Weg finden, der sich mit der Zeit auch immer wieder ändern kann aber wenn ihr euch bei etwas nicht wohlfühlt, tut etwas dagegen. Sprecht! Trennt euch! Sucht euch Hilfe! Oder ihr endet wie ich.

Eine Frau, Mitte 20, die panische Angst vor dem Einschlafen hat. 2 Tage nach meinem Absturz… Die erste Nacht ging erstaunlich gut vorbei, festgehalten von 2 starken Armen. Keinen Fragen und viel Liebe. Und auch am nächsten Tag überwand ich diesen Trigger. Ganz bewusst, setzte ich mich ihm aus, natürlich nach Absprache, und ich konnte es. Mir gefiel es sogar sehr. Doch die Nacht, die folgte. Ich wälzte mich von einer Seite auf die andere, fand keinen Schlaf und wenn doch für ein paar Minuten steckte ich wieder in Situationen, die ich heute niemals wieder zulassen würde. Immer wieder zog er mich im Schlaf in seine Umarmung aber es nützte nicht. Er konnte die Träume und die Angst nicht vertreiben.

Und heute? Heute sitze ich auf meinem Bett, schreibe diesen Post und müsste längst schlafen. Die Müdigkeit hat mich im Griff und trotzdem schließe ich nicht die Augen. Die Angst hat mich im Griff. Keiner da, der mich durch eine Berührung ins hier und jetzt zurückholen kann. Die Angst im Traum gefangen zu sein und wieder nur zu funktionieren.

BDSM hat nichts mit Gewalt zu tun und mein Partner zeigt mir das in jeder unserer Sessions sehr deutlich und dennoch, ich bin ein gebranntes Kind. Es gibt so viele Situationen, die diese Ohnmacht erneut auslösen könnten. Aber da ist auch die Gewissheit, dass ich nicht ins Bodenlose stürze. Das mich jemand kurz davor auffängt. Der die winzig kleinen Splitter meiner Seele geduldig Stück für Stück, Schlag für Schlag, wieder kittet und dafür bin ich dankbar, unendlich dankbar. Es wird ein langer Weg und ob ich jemals alles wieder genießen können werde, steht in den Sternen aber ich fühle mich sicher. Meine Grenzen werden gewahrt und das ist viel wert. Die Liebe, die er mir entgegenbringt, heilt mich, und auch wenn ich jetzt ein Klischee bedienen, so sind unsere Sessions doch jedes Mal auch eine kleine Therapie. Jaja, Psychiater hätten ihre wahre Freude an mir.

Und trotzdem bleibt diese Wut. Auf mich. Auf den Verursacher und die Ereignisse. Ich kann nur an euch appellieren. Seid nicht so wie ich es war. Seid es euch wert und lasst euch nicht so zerstören. Denn glaubt mir, kaputt ist man schnell. Das Flicken dagegen dauert ewig.

Nicht jeder Dom passt zu jeder Sub. Nicht jeder Dom ist einer. Nicht jeder Sub ist submissiv. Aber so kitschig es klingt, jeder Topf findet seinen passenden Deckel. Es wäre nur schön, wenn ihr nicht wie ich, als Deckel mit einem riesigen Riss enden würdet.

Ich bin müde… und habe Angst. Angst vor meinem Dämon. Angst vor der Vergangenheit.

Seid nicht wie ich es war. Seid stark!

 

2 Kommentare zu „Angst und Wut…

  1. Weißt du, meine Liebe – viel sagen möchte ich nicht, aber was ich mir nicht verkneifen kann, ist:

    Du hast wiederholt geschrieben, dass andere nicht so sein sollen wie du. Ganz ehrlich? Ich würde JEDER Frau da draußen raten, sich an dir ein Beispiel zu nehmen. Es ist nicht möglich, jede Falle gleich zu erahnen, wenn man keine Erfahrung hat. Es ist nicht möglich, ohne zu stolpern auf Anhieb über jedes Hindernis zu springen. Es ist NICHT möglich, immer jede Gefahr zu erkennen und zu vermeiden.

    Es geht darum, so damit umzugehen, wie du es tust und DAS, meine Liebe, ist so viel stärker als du dir hier gerade eingestehen kannst und willst. Ich weiß, es fühlt sich manchmal nicht so an – aber das, was ich sehe, ist eine starke Frau, die sich nicht hat brechen lassen. Die trotz SOLCHER Erfahrungen noch aufrecht steht, zwar ab und zu strauchelt, aber sich ihren Dämonen stellt und sie am Ende besiegen wird. Die sogar im Moment der Angst noch den Mut dazu findet, die Kraft aufbringt, darüber zu schreiben und anderen zu helfen.

    DAS ist es, was ich sehe und das ist es, was du auch erkennen solltest. Und dann würdest du nicht mehr sagen „seid nicht so wie ich“ – du würdest sagen: „Es ist okay, schlechte Erfahrungen zu machen – aber macht es GENAU so wie ich und lernt daraus, redet darüber und helft anderen, es besser zu machen!“

    Fühl dich gedrückt. Auch wenn es sich so anfühlt: du bist nicht allein.

    Ich denke an dich ❤

    Gefällt 4 Personen

  2. Liebe afterVanilla,
    was Du erlebt hast tut mir sehr leid! Auch ich möchte Dir zu deiner Stärke gratulieren, dass Du es schaffst darüber zu schreiben. Natürlich darfst Du auch wütend sein, auf den Scheißkerl, der Dir das angetan hat, aber bitte nicht auf Dich! Du wusstest es nicht besser, er hat sich absolut falsch verhalten, nicht Du!
    Nenn ihn Arschloch und was Dir sonst noch einfällt. Liebe Dich für dein Selbstvertrauen dich nicht vom Erlebten bestimmen zu lassen, sondern weiter deinen Weg zu gehen!
    Pass auf dich auf!

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