Die Männer in meinem Leben

Fangen wir mal ganz einfach beim Genpool an: Ich bin ein Scheidungskind und keines von der Sorte, dass zweimal Weihnachten und Geburtstag feiert, sondern eines, wo sich der Erzeuger viel Mist erlaubt hat. Glücklicherweise mit viel Kontakt.  Immer mal wieder werde ich mit dem Vorurteil konfrontiert, dass genau DAS der Grund sein muss, warum ich devot und masochistisch veranlagt bin. Mir hat einfach die Strenge Hand und Erziehung gefehlt und genau deshalb suche ich die jetzt in meiner Sexualität. Außerdem hängt meine Vorliebe für ältere Männer natürlich ganz bestimmt damit zusammen. Vaterkomplex, das muss es sein! Und wisst ihr was? Mir ist völlig egal, woher das alles kommt, falls ich das wirklich meinem Erzeuger zu verdanken habe, dann übermittle ich ihm hiermit das erste und einzige Dankeschön meines Lebens. Ist es nicht egal, warum ich so bin wie ich bin, so lange ich damit klar komme und es genieße? Aber nein, wir müssen ja alles hinterfragen.

Mein erster Freund zeigte mir dann was BDSM ist. Und in der Hinsicht ähnle ich der Protagonistin aus Shades of Grey. Ich habe meine Grenzen nicht erkannt und es übertrieben. Manche Sachen kann ich mir auch heute nicht mehr vorstellen, weil ich sie mit etwas negativen verknüpfe und auch, wenn ich mich fast verloren hätte in der Zeit, habe ich viel über mich gelernt. Dass Schmerz Lust bedeuten kann und Unterwerfung auch seinen Reiz hat.

Dann knapp 3 Jahre Ruhe. Kein Lustschmerz, keine Unterwerfung. Höchstens mal ein paar Fesseln. Viel zu wenig und trotzdem habe ich es unterdrückt. Die Gedanken waren immer präsent aber eben nicht umsetzbar und irgendwann habe ich mich damit arrangiert. Es war eben einfach kein Teil meines Lebens. Und vermutlich war diese Pause auch nötig. Von mir aus hätte Sie nicht so lang sein müssen aber in den Jahren bin ich selbstbewusster und erwachsen geworden.

Nach der letzten Trennung folgten dann diverse ONS. Mal gut, mal weniger gut, mal einfach langweilig aber plötzlich hatte ich Angebote und die Möglichkeit, da ich Single bin, und griff zu, wie ein Kind im Spielzeugladen. Da wurde mir bewusst, dass sich in den Jahren meine Moralvorstellungen komplett gewandelt hatten. Früher hielt ich solche Frauen für Schlampen. Und vielleicht sind sie das ja auch aber dann bin ich definitiv auch eine. Ich habe zugegriffen, wo sich mir ein attraktives Angebot eröffnete und tobte mich mal so richtig aus und war dabei selbst überrascht, wie locker ich damit umging. Kein schlechtes Gewissen, einfach Freiheit.

Nach meinem Umzug auf’s Dorf fiel ich in ein Loch. Was sollte hier schon sexuell gesehen werden? Wie sollte man im Bett von jemanden landen, wenn es am nächsten Tag der halbe Landkreis wusste und nicht mal eine Örtlichkeit zum Anbändeln in der Nähe war. Ich dachte schon, ich würde im Kloster landen, entschied dann aber mich mal an den großen Portalen (Joy und SZ) zu versuchen. Nach gefühlt 1000 „Na? Wie geht’s?“ kamen auch immer mal wieder interessantere Nachrichten rein aber meist machte die Entfernung einen Strich durch die Rechnung. Irgendwann kam seine Nachricht und eigentlich wollte ich sie schon wegklicken, da er mit seinen 45, doch eigentlich knapp über mein Alterslimit ging aber irgendwas faszinierte mich. Daraus entstand ein reger Schriftverkehr, der sich zwar auch um BDSM drehte aber eben nicht nur. Nach einer Woche trafen wir uns zum Kaffee und ich war das reinste Nervenbündel. So hatte ich mich noch nicht erlebt aber ich sah ihn und sah mich in Gedanken schon vor ihn knien, obwohl das eigentlich nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist. Aus dem Kaffee wurde ein anschließendes Abendessen und von mir aus wäre ich schon an diesem Abend mit ihm gekommen aber das wollte er nicht. Ich sollte mir erstmal klar werden, ob ich das wirklich möchte, da es eine reine Spielbeziehung wäre, und der Altersunterschied und auch die Vorstellungen unterschiedlich wären. Mittlerweile bin ich seit knapp 8 Wochen (jaja, noch ganz frisch) seine Sub, habe einen Vertrag unterschrieben, was ich mir nie hätte vorstellen können, ein Strafpunktesystem mit immer vielen Punkten und jede Menge Spaß. Und ja, auch die ersten Konflikte hatten wir schon, die wir aber glücklicherweise aus der Welt schaffen konnten.  Manche Begriffe kann man eben interpretieren und so kam es zu einem Missverständnis aber wie auch in einer „normalen“ Beziehung hilft da wohl nur reden, reden und nochmals reden.

Und da ist da S., mein bester Freund seit Kindheitstagen und der hoffentlich einzige Mensch aus dem RL, der diesen Blog lesen wird. Uns wird seit gut 6 Jahren eine Affaire nachgesagt und das obwohl er 20 Jahre älter ist. Er war es, der mich von Parties abgeholt hat und in sein Bett gesteckt hat, der der sich meinen Liebeskummer angehört hat und auch heute noch meine Launen erträgt. Kurz er ist einfach großartig. Nach einer Session schrieb ich Ihn, ob ich bei ihm schlafen könne, weil ich übergangsweise bei meiner Mutter wohnte und die nicht unbedingt etwas von meinen blauen Flecken, geschweige denn von meinem Outfit mitbekommen sollte. Das war natürlich kein Problem und als ich mich achtlos auf seine Couch fallen lies und wohl einen verräterischen Gesichtsausdruck hatte, verschwand er lachend ins Bad und reichte mir eine Heparinsalbe. „Du hattest hoffentlich Spaß, was? Irgendwelche Stellen aufgeplatzt? Lass mal sehen?“ Ich lag oft genug in seiner Badewanne, als dass ich mich dabei geniert hätte, auch vertraue ich ihm bedingungslos. Sein Kommentar war, dass mein Arsch wie ein Kunstwerk aussehe und der Kollege Respekt verdient hätte. Und dann fiel bei mir der Groschen. Er wirkte schon immer recht dominant aber dass es im Schlafzimmer oder wo auch immer auch so ist, wusste ich nicht. Und so hatte ich plötzlich einen Verbündeten, mit dem ich über all das Reden konnte. Und vermutlich glaubt ihr, dass zwischen uns etwas läuft aber nein. Wir kuscheln, er kümmert sich hin und wieder um meine Blessuren mehr aber auch nicht. Nicht, dass da seit Jahren ein Knistern in der Luft wäre aber unsere Freundschaft ist heilig und das Risiko, sie zu gefährden, ist kein Sex der Welt wert. Außerdem hat er auch festgestellt, dass wir gar nicht kompatibel wären. Ich, eher maso als devot, er, dominant und Mindgames liebend. Etwas was mich früher fast zerbrochen hätte. Das wollen wir nicht riskieren und das ist auch gut so. Sonst müsste ich ja irgendwann auf seinen leckeren Whisky, den ich hin und wieder auch heimlich mit Cola mische, verzichten.

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